Donnerstag, 29. Juli 2010

Filme - MY NAME IS KHAN

KINO: My Name Is Khan
Ein im wahrsten Sinne des Wortes sang- und klangloser Versuch das Bollywood Kino an westliche Gewohnheiten anzupassen.  6/10
Kinostart: 10.06.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

My Name Is Khan


Ein ambitioniertes Unterfangen, welches Bollywood mit „My Name Is Khan“ versucht. Weg von stilprägenden Musicaleinlagen, weg von extrovertierter Gefühlsverarbeitung, hin zu einem realistischeren und auch kritischeren Selbstbewusstsein. Und das mit dem größten Kinostar, den das indische Filmgeschäft momentan zu bieten hat: Shahrukh Khan.
In der eigenen Heimat entwickelte sich dieses ambitionierte Konzept auf Anhieb zum erfolgreichsten Film des Jahres und in Übersee wurde dieser selbsternannte "indische Forrest Gump" sogar zum erfolgreichsten Bollywood Film überhaupt.

Was sich dem Zuschauer bietet ist tatsächlich alles andere als alltägliche Bollywood Kost. Asperger Syndrom, der ewige Konflikt zwischen Moslems und Hindus, Post 9/11 Intoleranz und Rassenhass, Verlustbewältigung und zu guter Letzt ein Roadtrip durch die Amtszeiten der letzten beiden US-Präsidenten mit all ihren konservativen und liberalen Höhen und Tiefen.

Es ist unübersehbar, dass Bollywood mit diesem Film seiner eigenen Identität entfliehen wollte. Doch hier offenbart sich sein erstes Defizit. Die Gesangs- und Tanzeinlagen standen seit jeher für die offen gezeigten emotionalen Auseinandersetzungen. Lieder und Tänze als Spiegel der inneren Verfassung der Charaktere. Ohne diese Ausdrucksmöglichkeiten fehlt dem Film ein zwar stilisierendes aber wirksames Ventil. Stattdessen bemüht sich „My Name Is Khan“ die Emotionen seiner Figuren in Dialoge zu fassen und das auf die denkbar plakativste Art und Weise. Zusätzlich vernimmt man die erklärenden Offensichtlichkeiten von Khans Off-Kommentaren. Natürlich ließe sich diese Offenheit, die beinahe an Naivität grenzt auf das Aspergertum von Rizwan Khan zurückführen. Doch gerade in jüngster Vergangenheit bewiesen ähnlich gelagerte Filme wie „Adam“ oder „Mary & Max“, dass sich die Komplexität und Eigenheiten des Asperger Syndroms durchaus auf stimmige Weise filmisch verarbeiten lassen.
Der Film ist überladen mit brisanten Themen, die Konflikte wecken, diese aber nur sehr oberflächlich verarbeiten. Zufälle und hohle Phrasen bestimmen die Handlung der zweiten Hälfte und enttarnen den realistischen Ton des Films als reine Fassade. Dahinter verstecken sich die üblichen flachen Charaktere, die versuchen mit Tugenden das Schlechte dieser Welt zu bekämpfen. Singend und tanzend hätte man es ihnen vielleicht aufgekauft.

Harsche Worte für einen im Grunde sympathischen Film. Er hat das Herz am rechten Fleck, schwankt aber zwischen westlichen und indischen Einflüssen, zwischen Realismus und Theatralik ohne ein harmonisches Gleichgewicht zu finden. Auch die Bildsprache leidet unter dieser Zerrissenheit. Monochrome Bilder unterstreichen die Dramatik in Khans Leben, werden aber ständig durch die Bollywood typische, in satten Farben und Sonnenuntergänge getauchte Hochglanzoptik unterbrochen.

Dass der Film trotz allem zu Herzen geht, ist Shahrukh Khans berührenden Darbietung zu verdanken, denn seine Rolle des Rizwan Khan trägt den Film praktisch allein. Aber auch wenn dieser mit seiner Herzensgüte und Naivität an Forrest Gump erinnert, der Film scheitert komplett an diesem Vergleich. Die Assoziationen an das große amerikanische Vorbild schweben allgegenwärtig über „My Name Is Khan“, die Odyssee des Rizwan Khan kommt jedoch an keinem Punkt an das Einfühlungsvermögen, die Finesse und entwaffnende Aufrichtigkeit von Robert Zemeckis Klassiker heran.


6/10

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