Donnerstag, 22. Juli 2010

Filme: THE LAST AIRBENDER

KINO: The Last Airbender (Die Legende von Aang)
Regisseur Shyamalan enttäuscht dreifach. Seine Fans, die der Zeichentrickserie und selbst unbescholtene Kinogänger dürften nicht sonderlich begeistert sein wenn sie aus den Kinos kommen. 5/10
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The Last Airbender
(Die Legende von Aang)
(geschrieben für KultHit.de)

Es steht nicht besonders gut um den Ruf des ehemaligen Regiephänomens M. Night Shyamalan. Mit Filmen wie The Sixth Sense oder Unbreakable etablierte er sich als Meister des Suspense und als unermüdlicher Querdenker. Er wollte keine typischen Hollywood Geschichten erzählen, sondern seine eigenen, sprühend vor überraschenden Wendungen, fantastischen Elementen und stets mit einer sehr menschlichen Komponente verknüpft. Seine Filme polarisierten öfters das Publikum, was spätestens seit The Village auch kommerzielle Konsequenzen nach sich zogen und Shymalans Filmschaffen maßgeblich beeinflusste. Mit The Happening, einem Ökoschocker für die Greenpeace Fraktion, fiel der Regisseur endgültig beim Publikum durch und musste nun seine Art Filme zu machen endgültig überdenken. The Last Airbender, von den Fans der Zeichentrickserie auf der der Film beruht besser als Avatar bekannt, stellt als Konsequenz dessen die erste Auftragsarbeit des Regisseurs dar. Der Filmemacher betont zwar nachhaltig, dass seine Entscheidung, die Regie von The Last Airbender zu übernehmen, bereits vor seinem Flop mit dem grünen Daumen getroffen wurde. Aber richtig abkaufen kann man es dem Filmemacher nicht.

Ob und wie man an The Last Airbender gefallen findet, entscheidet sich im Grunde bereits bevor man den Kinosaal betritt. Die Fragen sind einfach. Wie gut kennt man die Vorlage und was für Erwartungen hegt man bezüglich der Verfilmung? Zweifellos ein Klischee, das auf alle Verfilmungen zu trifft, aber auch hier gilt: Unwissenheit ist ein Segen.

Das Publikum, das sich bloß nach Unterhaltung sehnt und die Namen Aang, Zuko oder Appa höchstens mit den Teletubbies assoziiert, dürfte Glück im Unglück haben. Zwar wird auch dem unvoreingenommenen Zuschauer nicht entgehen, wie oberflächlich und gehetzt der Film größtenteils wirkt. Aber dank den beeindruckenden Partikeleffekten mit denen die Elemente zum Leben erweckt wurden, der klebrigen aber sehr funktionellen Filmmusik und natürlich dem Blockbuster-Schemata wird dem Zuschauer zumindest ein Mindestmaß an filmischer Unterhaltung geboten. Aber diese Eindrücke verfliegen ebenso schnell wie sie imposant daher galoppiert kamen. Selten bleibt die Zeit den Figuren wirklich nahe zu kommen. Selbst in den wenigen Momenten, in denen es doch versucht wird, muss man mit Schrecken feststellen, dass die Charaktere nur aus heißer Luft bestehen und den Zuschauer mit ihrer dümmlichen Oberflächlichkeit im Regen stehen lassen. Was bleibt sind imposante Schauwerte und ein Soundtrack, der zumindest eine emotionale Beteiligung imitiert.

Die Kenner von Avatar, der US-Zeichentrickserie des Kindersenders Nickelodeon, trifft die unbarmherzige Wahrheit wesentlich härter. Die schwachen Charaktere, die der Nichtkenner vielleicht mit einem Schulterzucken verdrängen kann, werden für den Fan zu einer heißen Nadel, die sich in die Eingeweide bohrt. Von der manischen Getriebenheit eines Prinz Sukos und von der väterlichen Fürsorge eines Onkel Iroh ist nichts mehr zu spüren. Der gutherzige aber stets unterschätzte Sokka und der allgegenwärtige und bedrohliche Schatten des Feuerlords sind ebenfalls nicht mehr wiederzuerkennen. Die Serie ist auf ihre Weise ein Phänomen. Ein Phänomen, das kindliche und erwachsene Ansprüche unter einen Hut bringt. Die sozialen und psychologischen Themen die angesprochen werden, machen aus der bunten und temporeichen Kinderserie auch für die älteren Semester ein Erlebnis. Die Einzelfolgen sind kindgerecht auf ein junges Publikum zugeschnitten. Aber im dramaturgischen Kontext und zusammen mit der Hintergrundgeschichte der Charaktere wird schnell ersichtlich, dass man es hier mit mehr als "nur" simpler Kinderunterhaltung zu tun hat. Was der Film davon immerhin einfangen konnte ist die kindgerechte Unterhaltung.

Eine weitere bittere Pille ist der zeitliche Aspekt. Wenn eine ganze Staffel in einen einzigen Film gepackt wird, müssen zwangsweise Abstriche gemacht werden. Der Film erweckt den Eindruck, man würde eine Diashow beobachten und mit jedem neuen Bild spränge man mehre Wochen und tausende von Kilometern weiter. Kein Wunder also, dass sich auf diese Weise kaum eine Zuschauerbindung einstellen will. Man bleibt ein Beobachter anstatt ein Teil von Aangs Schicksal zu werden. Zudem hatte Komponist James Newton Howard scheinbar keinen Willen oder keine Befugnis die originalen Themen der Serie zu verwenden. Diese hätten es den Fans zumindest vereinfacht, sich auf die nun fleischgewordenen Bilder einzulassen und sie zu akzeptieren.
Aber es ist nicht alles schlecht im Reich der vier Nationen. Die Kampfchoreografien in Kombination der Elementarkräfte sind beeindruckender als es sich jeder Fan der Serie je hätte vorstellen können. Auch die Fähigkeiten die Elemente zu manipulieren wirken nicht wie beliebige Zaubertricks eines Harry Potters sondern werden durch die Bewegungen, die Atmung und das Spiel der Schauspieler beinahe lebendig, als ob jeder Kubikliter Wasser, der bewegt wird wirklich eine entsprechende Kraftanstrengung voraussetzen würde.

Dieser erste Teil einer geplanten Trilogie, schließlich gibt es auch drei Serienstaffeln, wird es schwer haben irgend wen für sich zu begeistern. M. Night Shyamalan besitzt großes Talent wenn es um die Erzeugung von zwischenmenschlichen Spannungen und einer beinahe greifbaren Suspense geht. Aber er ist kein Steven Spielberg, der mit Einfallsreichtum und allen nur erdenklichen filmischen Tricks charakterliche und inhaltliche Fehler überspielen kann. Shyamalan war stets ein moderner Hitchcock, der er schafft mit den richtigen Schauspielern in einem verschlossenen Raum die Grenzen des vorstellbaren zu sprengen. Mit The Last Airbender eiferte er jedoch bloß der Selbst- und Effektverliebtheit eines George Lucas hinter her, nicht mehr und nicht weniger.


5/10

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