Donnerstag, 27. Mai 2010

Gossip: Inception Vs. Lena Meyer-Landrut Vs. Steve Jobs

Seit einigen Wochen erfreut sich der dritte Trailer von Inception besonderer Beliebtheit. Nicht bloß aufgrund der, zugegeben, sehenswerten Bildern und Schnitts sondern auch weil anscheinend die Vertonung des Trailers genau den Nerv des Publikums trifft.

Und nun frage ich mich, wieso?

Bevor ich einige Gedanken nieder skizziere hier der gemeinte Trailer inklusive des Tracks:


Also, Zack Hemsey, der Komponist des Tracks der im Trailer zu hören ist, bietet im Grunde nichts neues. Er serviert sozusagen eine Kopie von einer Kopie (was nicht wertend oder herablassend gemeint ist, lediglich feststellend). Er kopierte die übliche Trailerstruktur und nahm sich wie es bei Trailervertonungen üblich ist,  eine spezifische Filmmusik als Vorbild. In diesem Fall Hans Zimmers The Dark Knight. Die Stimmung, Dissonanz, die Streicher, die Crecendi, sogar teilweise die Samples, alles ruft in lauten Tönen nach The Dark Knight. Am Ende wird noch alles mit einem Synthiechor garniert, den man ebenfalls bereits aus unzähligen anderen Trailer und Scores kennt.

Und trotzdem oder gerade deswegen wird das Stück geliebt. Da drängt sich mir der Vergleich mit der Lena Meyer-Landrut auf. Ebenfalls ein zusammengewürfeltes Potpourri, dieses mal nicht der  Filmmusik sondern des Indie Pop und ebenfalls wird sie von einer Mehrheit geliebt.
Nun lässt sich hinterfragen warum. Vielleicht weil die Originale unbekannt sind? Möglich. Viel mehr glaube ich aber,
weil bei beiden gar nicht die Musik im Vordergrund steht, sondern sie aus anderen Medien ihre Attraktivität beziehen. Die Assoziationen mit Hemseys Track wurden von Anfang an an einen Trailer und dessen Bilder geknüpft. Aber viel mehr noch, er wird mit dem Film Inception in Verbindung gebracht, mit dem eine sehr starke und emotional aufgeladene Erwartungshaltung der eine ganze Internetcommunity in Spannung versetzt, einher geht.

Das selbe in grün bei der Lena. Nicht die Musik steht im Vordergrund sondern der Rummel um ihre Person und ihre Verbindungen mit der Castingshow. Man entwickelte bereits bevor sie zum Künstler wurde eine Beziehung zu der Person. Es gibt eine Redewendung, bringe den Kunden dazu dein Produkt zu mögen bevor er überhaupt Kenntnis davon hat. Das lässt sich wunderbar in alle Bereiche umsetzen. Man wird sozusagen geeicht. Ich behaupte nicht, dass der freie Wille übergangen wird, aber ich vermute, nur wenige, die sich darauf einlassen, entscheiden später das Produkt nicht zu mögen.
Virale PR Kampagnen setzen komplett auf diesen Effekt. Lass den Zuschauer Cloverfield entgegen fiebern obwohl noch gar nichts über den Film bekannt ist. Lass das Publikum eine Beziehung zu einem Künstler aufbauen, der als Marke noch gar nicht existiert. Verwende die Vorfreude und Sympathie auf einen Film um damit verknüpfte Produkte zusätzlich zu bewerben.
Ich glaube nicht, dass der Erfolg des Hemsey Tracks geplant war, es hätte genau so gut ein Hans Zimmer Stück sein können (Hemsey hat ohnehin eifrig vor Zimmers Tür gekehrt), aber das es soweit kam überrascht nicht.

Weiterhin lassen sich einige sehr interessante Bezüge zu anderen Projekten ziehen, allen voran natürlich die von James Cameron. Christopher Nolans Projekte besitzen bald ähnliche Dynamiken wie die des Titanic und Avatar Schöpfers. Egal was diese Männer anfassen, es mausert sich zum Phänomen. Böse Zungen würden sagen "Hype". Aber auch noch größere Massenphänomenen wie zum Beispiel Apple, das es vom Nischenunternehmen zum Multimilliarden Konzern geschafft hat (und das ist eine Behauptung von mir) aufgrund gezielten Kundenbindungsstrategien. Es ist noch keine zehn Jahre her, da wurden Apple User noch belächelt. Heute besteht eine morgendliche S-Bahn Fahrt aus 50% Apple User (naja, nennen wir sie mal lieber Telefonisten und Musikhörer).
Wenn sich heutzutage jemand für ein Apple Produkt entscheidet, dann passiert es meiner Meinung nach in den meisten Fällen aus emotionalen Gründen. Entweder möchte man der erste sein, man möchte besonders sein, man möchte modern sein, man möchte dazu gehören, man möchte Zugang haben, man möchte, man möchte...

Aber ja, ich schreibe diese Zeilen ebenfalls mit einem Macbook (das aber immerhin schon drei Jahre auf dem Buckel hat, fürs Protokoll). Gehöre ich also auch zu der vorhin definierten Gruppe? Vermutlich. Aber ich bilde mir zumindest ein, in Apple auch noch was anderes zu sehen. Nämlich die Entwickler des OSX, dem Betriebssystem dass mein Leben entscheidend beeinflusst hat. Zumindest rede ich mir diesen praktischen Nutzen ein...

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