Samstag, 24. April 2010

Testscreening

Es ist immer eine spannende Sache zu sehen was für Filme in welcher Form einem Testpublikum gezeigt werden. Bei meinem ersten Testscreening vor zwei Jahren sah ich einen noch recht rohen aber trotz aller technischen Unfertigkeiten inhaltlich und dramaturgisch überzeugenden Film. Sein Name: Die Welle.

Gestern nun war es wieder so weit und der gezeigte Film war in mehrerer Hinsicht meinem ersten Screening ähnlich und doch komplett anders.

Stellt euch Filme wie Thirst (Durst) oder Let the right one in (So finster die Nacht) vor. Filme, die die üblichen Vampirklischees fantasievoll zweckentfremden oder feinfühlig vermeiden. Deren Subtilität den Zuschauer von einem Gänsehautmoment zum anderen stösst und die mit ihrer Brutalität ein Kontrast zur poetischen Aussage herstellen. Und nun stellt euch das exakte Gegenteil davon vor. Mehr noch, Dialoge die offensichtliches wiederkäuen anstatt unter die Oberfläche zu schauen. Schauspieler die sich sichtlich unwohl in ihren Rollen fühlten und eine Geschichte die unbeholfen zwischen den Genres wechselt ohne jemals einen eigenen Charakter zu entwickeln. Selbst die Twilight Filme wirken im Vergleich wie subtile und klischeefreie Vampirfilme. Hab noch nie ein Testpublikum gesehen dass sich am Ende eines Films so einig war...

Man sollte bei Testscreenings lieber keine Temptracks von Blockbustern wie Dark Knight verwenden, ein Soundtrack der in den Köpfen von Millionen noch sehr präsent ist und die Konzentration des Publikum merklich aus dem ohnehin schon schwachbrüstigen Films riss.  Um dem Film eine akustische Handschrift und dramatische Wirkung zu verleihen wäre eine weniger geläufige Filmmusik ohne vorbelastete Fremdassoziationen die bedeutend bessere Wahl gewesen.

Zudem ist es ein riskantes Unterfangen einem Berliner Publikum einen Berliner Film zu zeigen. Vor allem dann, wenn der Film den Zuschauer nicht vereinnahmen kann und aus Langeweile ein Ratespiel veranstaltet wird, welche Locations denn gerade zu sehen sind. Wenn dann innerhalb eines Schnitts von der Protagonisten 100km überwunden werden und das halb nackt und barfuss rennend ist die Stimmung auf ihrem unfreiwilligen Höhepunkt...

James Cameron hatte während er Titanic schnitt im Schneideraum eine Rasierklinge mit der Aufschrift "use only if film sucks"...andere Filmemacher können froh sein dass sie dem Scheitern des eigenen Films weniger drastisch gegenüberstehen. Man sollte gerade bei Testscreenings die Filme nicht vor schnell beurteilen, Totgesagte leben bekanntlich länger. Die Welle war als Rohfassung alles andere als perfekt, vieles war noch unausgereift. Aber man spürte, dass der Film auf einem guten Weg war.
Aber in diesem Fall ist es keine Frage des Schnitts, des Tempos oder der Musik. Man rennt als Zuschauer gegen eine Wand, eine Wand voller eindimensionaler Klischees, gefühlloser Oberflächlichkeiten und stupider Monotonie.

1 Kommentar:

  1. Hihihi, ich hab den Trailer letztens im Kino gesehen und war da schon nur noch am Kopfschütteln ;)

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