Montag, 1. März 2010

Filme: #9

KINO: #9
Der Kurzfilm überraschte mit Charakter und Einfallsreichtum...der Kinofilm scheiterte an seiner Eindimensionalität und sturer Schablonenhaftigkeit
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film



#9

Vielleicht binich zu sehr in der Materie drin, aber als Animationslangfilm enttäuschte #9 beinahe auf ganzer Linie. Ich habe mir nochmals den Kurzfilm zur Erinnerung angesehen und mittlerweile ist es recht offensichtlich was mich an dem Kinofilm stört:

Ackers nutzte damals alle Vorzüge die das Medium des Kurzfilms mit sich brachte. Er stieg direkt in die Geschichte ein, ohne sich aber seinem Erklärungsdrang hinzugeben, der die Welt oder die Charaktere näher vorstellen wollte. Man verstand die Kausalität der Figuren und das reichte vollkommen. Zudem war der Short eine nette postapokalyptische Neuinterpretation mit unzähligen kleinen visuellen Tricks und grossartigen Designs.
Der Kinofilm nun möchte natürlich so nah wie möglich an dem beliebten und erfolgreichen Kurzfilm bleiben. So wurden sämtliche Designs und der ganze Look des Films übernommen und nur im Detail verbessert. Die Gegner sind nun zahlreicher und recht einfallsreich gestaltet. Die Stimmung konnte ebenfalls erfolgreich in den Film übernommen werden.

Jetzt die bittere Pille: Die Story wurde komplett kopiert, soll heissen, der 10min Kurzfilm wurde auf 70min aufgebläht. Die entstandenen Löcher wurden mit sehr viel Exposition gefüllt. Alles, aber auch wirklich ALLES wurde mit einer Backstory hinterlegt...die restlichen Lücken wurden mit teils immerhin schön choreographierten Actionszenen gefüllt.
Darüber hinaus wurde aus dem Charakter 9, der im Kurzfilm noch ein nach Gerechtigkeit sinnender Einzelkämpfer war, nun zum sensiblen Erlöser umgewandelt. Es tut wirklich weh wenn man beobachtet wie der Film im 5min Takt alle üblichen Storyklischees abarbeitet, gehetzt von einer Entwicklung zur nächsten.
Die Charaktere besitzen beinahe kein Entwicklungen, selbst 9 wird scheinbar als Erlöser geboren, der ohne grosse Selbstfindungsphase einfach mal drauf los schreitet. Besonders schmerzhaft empfand ich die Eindimensionalität des Geschehens. Stets geht es darum dies oder jenes zu tun, eine Metaebene sucht man vergebens. Die Aktion zählt und der Sinn bleibt auf der Strecke. Und gerade das erachte ich als eine so schändlich missachtete Möglichkeit, denn welches Genre ausser dem Animationsfilm ist so frei wenn es darum geht mit Metaphern und Symbolen eine Welt hinter der Welt zu kreieren, eine Bedeutung die uns im Inneren anspricht und keine blosse Aneinanderreihung von Klischees, Mensch gegen Maschine, organisches Leben gegen kalten Stahl, unschuldige Seelen gegen gottlose Teufelswerk darstellt...
Zudem fehlt der Funke Originalität, den man im Kurzfilm noch dachte zu erkennen. Jeder Half Life 2 Fan wird sofort Teile des Gegnerdesigns wiedererkennen. Zusätzlich inspirierte man sich eifrig bei diversen retro Steampunkvorbildern. Storymässig wurde besonders am Ende dem grossen Vorbild War Of The Worlds gefrönt (vielleicht der grösste Missgriff des Film, aus einer kleinen verniedlichten Mad Max Hommage wurde ein überambitionierte War of the worlds Klon...). Hinzu kommt noch dass die wunderschöne spirituelle Schlussszene des Kurzfilm in eine pseudo esoterische Himmelfahrtserlösung ausgebaut wurde. Es tat einfach nur weh zuzusehen...:(

Ich hatte damit gerechnet dass die Kinoversion konventioneller ausfallen würde. Gesprochen von bekannten Schauspielern, mit einer klassischen Storystruktur mit einem netten Happy End. Aber was ich nicht erwartet hatte, war ein mit heisser Luft aufgeblähter Studentenfilm der toll aussieht aber nicht wirklich was zu erzählen hat. "Toll" unter Berücksichtigung des Genres, denn #9 ist ein Indieanimationsfilm der nie den Anspruch hat mit den grossen Studios wie Pixar konkurrieren zu wollen (oder es zu können).

Der Film ist kein totaler Absturz, seine Stimmung und seine Actionszenen bewahren ihm vor Schlimmerem, darum gibts auch gut gemeinte 6/10. Aber ganz ehrlich, ich verstehe nun warum Universal den Film um ein halbes Jahr verschob und nur mit einer Alibi Kinoauswertung abspeiste (der Film lief in der ganzen Bundesrepublik in nur EINEM Kino)...

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