Mittwoch, 17. Februar 2010

Olos Favoriten: JEUX D'ENFANTS

Olos Top50: Jeux d'enfants
Der romantischste Film der Filmgeschichte, zumindest wenn man gewillt ist sich von Klischees und rosa Herzchen zu verabschieden
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film



Jeux d'enfants (Liebe mich wenn du dich traust)

Jeux d’enfants gehört, wenn man sehr viel Glück hat, zu den Filmen, die sich einem ins Herz und den Verstand brennen und ein Leben lang nicht mehr los lassen. Als ständige Erinnerung wie vielschichtig, inspirierend aber auch selbst zerstörerisch Liebe sein kann.

Die Ideen, die dieser Film besitzt, sind so feinfühlig, so überraschend, so tragisch, so andersartig, so - ich muss es sagen, so französisch wie es nur geht.
Der Film verlässt sich nicht allein auf Konventionen, sondern geht für sein Ziel, eine nicht alltägliche Liebesgeschichte zu erzählen, andere Wege. Der Kampf, den die beiden Hauptfiguren ausfechten, hat innere Beweggründe. Ihr Spieltrieb und ihre Art wie sie miteinander umgehen, steht im harten Kontrast zu ihren Gefühlen. Und das ist die Hürde, die sie meistern müssen. Äußere Konflikte gibt es kaum, sondern nur die selbst auferlegten Regeln - ich staune noch heute über die Genialität, wie das Drehbuch diese Schwäche zu einer Tugend erhebt. Der ganze Film besteht nur aus Reaktionen. Reaktionen ausgelöst durch direkte gegenseitige Beeinflussung. Die ganze Welt als eine persönliche Bühne. Aber warum? Der Film könnte als klassische Romanze nach 30 Minuten enden, aber stattdessen beginnt eine Odyssee der selbst zerstörerischen Art. Egal wie erniedrigend die Streiche auch sind, ständig schafft es der Film, auch in den abwegigsten Szenen einen Hauch von Romantik zu erzeugen. Keine Romantik des Kitschs mit Samt oder rosa Herzchen, sondern eine der inneren unausgesprochenen Sehnsucht. Sie lieben sich und bewerfen sich trotzdem mit Dreck. Sie hassen sich und können trotzdem nicht voneinander lassen.

Eine solch einzigartige Geschichte muss natürlich auch entsprechend inszeniert werden und da hat sich Regisseur Samuell kräftig ins Zeug gelegt, Michel Gondry oder Jean-Pierre Jeunet hätten es nicht besser machen können. Mit vollen Farbeimern, markanten Schnitten, surrealen Einfällen und bissigem Voice-Over wird hier eine Atmosphäre zwischen kindlicher Unschuld und erwachsener Leidenschaft erzeugt. Auch akustisch beweist der Film seine Qualitäten. Der Score ist feinfühlig und verspielt, emotional geladen und doch kühl distanziert, wenn es darauf ankommt. Die unzähligen Chansons Covers garnieren das Ganze mit einem wohligen Gefühl.

Die einzige Kritik, dich dich der Film gefallen lassen muss, zielt auf die finalen,  traumähnlichen Szenen. Vielleicht bekamen es die Macher mit der Angst zu tun oder waren von der eigenen Waghalsigkeit schockiert. Wie auch immer, die letzten paar Minuten verwässern den ganzen Film, indem sie ihn seiner Intensität und Kraft berauben. Manchen mag ein solches Ende vielleicht Mut und Hoffnung vermitteln, aber das wäre ein Ende um des reinen Selbstwillens und im Widerspruch zum Rest des Films.

Man muss die Schönheit in der abschliessenden Ironie erkennen. Liebe kann verblassen, verdrängt werden und verschwinden. Aber nicht, wenn man sie in ihrem Zenit festhält und nicht mehr loslässt. In Stein gemeisselt, für immer!

Kommentare:

  1. Hey,

    Tolle Kritik, jetzt will ich den Film natürlich auch ansehen! Dankeschön :-)

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  2. Dann hat sich mein Post ja schon gelohnt! =)
    Der Film verdient jede Anerkennung die er kriegen kann, sag mir dann wie er dir gefallen hat!

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