Mittwoch, 13. Januar 2010

Filme: THE VISITOR und STATION AGENT

Zum Kinostart des neusten Thomas McCarthy Films lege ich gleichzeitig auch eine kleine Kritik zu seinem 2003 erschienenen und hoch gelobten Regiedebuts Station Agent bei. Beides Filme die die US-Indieszene mehr als nur bereichern!

KINO: The Visitor (Ein Sommer in New York)
Sympathischer, lebensbejaender Film der eine beeindruckende Gradwanderung zwischen herzerwärmendem Optimismus und erdrückendem Realismus schafft
Kinostart D: 14.01.2010
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

DVD: Station Agent
Noch kleiner und liebenswerter können Filme gar nicht mehr werden. US-Independent Filmkunst in Reinform!
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film



The Visitor (Ein Sommer in New York)

Muss wohl an mir liegen, denn bei mir konnte der Film in sämtlichen Belangen punkten. Er sprach mich auf mehreren Ebenen persönlich an und nicht bloss weil ich selbst Bongos ud Kongas spielte, vielmehr warf er mich in ein Wechselbad zwischen Betroffenheit und optimistischem Tatendrang.
Gerade das erste Drittel in dem sich Jenkins Figur in ihrer Leerlaufphase befindet traf bei mir einen empfindlichen Nerv. Ich denke jeder kennt solche Phasen und wurde vom Film sehr treffend dargestellt. Die täglichen kleinen Ausflüchte und Lügen, das Herumdrücken, Zeittotschlagen und Abkapseln von der Umwelt. Erst als Prof. Vale auf die Eindringlinge trifft erkennt er wie dringend er eine Rettung aus dem leeren Sog des Dahinvegetierens gebraucht hat.
Der Film bietet mit jedem Drittel ein neues Lebensgefühl, was verloren begann wandelte sich mit Tareks und Zainabs charmanten Temperament zu einem rassigen Wohlfühlbossanova. Man kann als Zuschauer die Leidenschaft für die Musik und das Trommeln selbst spüren und erkennt auch die Symbolik darin. Jeder Mensch braucht einen Lebensinhalt der ihn erfüllt und ihm was bedeutet. Lebensbejander Optimismus pur.
Doch das sollte nicht lange währen, am Ende muss muss auch der stärkste Optimismus der Realität weichen. Und in diesem Fall einer unerbittlichen Post 9/11 Realität in Form einer menschenfeindlichen Bürokratie und folgenreichen Lügen. So verloren man sich zu Beginn fühlte und so lebensfroh man in der Mitte tanzte, so demprimiert entlässt einem der Film am Ende.

Der Film verliert nie den Fokus was Professor Vales Rückbesinnung ins Leben betrifft, legt aber trotzdem eine erstaunliche Direktheit und Kampfeseifer an den Tag was die Nebenhandlungen betrifft. So werden diverse Themen wie der Rassissmus, Xenophobie in Verbindung mit 9/11 oder auch der Irrsinn im Umgang mit amerikanischen Behörden mehr als nur gestreift. Grosse Themen für einen so kleinen Film, aber dank Jenkins Glaubwürdigkeit und exotischen Charme des Ensembles wird es in keinem Moment zuviel.

Ich war bereits von Thomas McCarthys Regiedebüt Station Agent sehr beeindruckt. Der Regisseur (und Schauspieler) scheint Charaktere die in Isolation leben und einer ausgeprägten Leidenschaft nachgehen besonders am Herzen zu liegen. Sowohl The Visitor als auch Station Agent behandeln Themen wie Ausgrenzung und ungewöhnliche Freundschaften zwischen Fremden auf die selbe sensible Art und Weise.

8/10



Station Agent

Der Film wurde innerhalb 20 Tagen für gerade mal 500'000Dollar gedreht, mit einem Minimum an Crew und Schauspielern, aber mit einem Maximum an Ambitionen und Einfühlungsvermögen.
Station Agent ist ein Appell für gegenseitige Toleranz, ein Versuch mentale Mauern auf unkonventionelle Weise nieder zu reissen. Das Dreiergespann Fin, Joe und Olivia sind Aussenseiter, jeder auf seine eine Weise und geschunden durch die eigenen Vergangenheit. Erst Joes unermüdliche Hartnäckigkeit und Frohnatur bringt über Umwege das Trio zusammen...und durch die Augen von Fin erleben sie eine neue Welt voller kleiner Wunder und grossen Zügen.

Ein hochdekorierter Film der sämtliche Preise verdient. Für solche Filme wurden Programmkinos gemacht! :)

8/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts with Thumbnails

Ältere Beiträge, die dich interessieren könnten: