Montag, 4. Januar 2010

Filme: DAS WEISSE BAND

KINO: Das weisse Band
Mein letzter Film im alten Jahr der mich gleichzeitig auch etwas wehmütig werden lässt. Denn genau wie der Film erachte ich das Kinojahr 2009 als etwas besonderes.
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film




Das weisse Band

Ein Gefühl sagt mir dass ich mir als Einstand in Michael Hanekes Filmschaffen nicht unbedingt den einfachsten aber in seiner unterkühlten und morbiden Art vielleicht den poetischsten Film ausgesucht habe. Wobei von "Aussuchen" eigentlich keinen Rede sein kann, schliesslich wird der Film in gewissen Programmkinos seit geschlagenen 10 Wochen ununterbrochen gezeigt, so dass man nicht umhin kommt sich zu fragen was wirklich hinter dem Phänomen steckt.

Und es ist wahrlich kein leichter Film den die knapp 400'000 Besucher die den Film bislang allein in Deutschland besuchten erwarten durften. Man wird in doppelter Hinsicht beinahe erschlagen, zum einen von seiner verzerrenden Filmästethik die nicht selten das Geschehen unwirklich erscheinen lässt, zum anderen von der erdrückenden allgegenwärtigen Dorfstimmung die einem bis zuletzt nicht mehr loslässt. Lediglich der Dorflehrer und gleichzeitig Erzähler des Films bringt mit seiner Sicht und seinem Werben nach Liebe etwas Menschlichkeit in den ansonsten von Bigotterie und Tradition durchtränkten Alltag. Der Film wird gerne auf seine Funktion als gesellschaftlicher Spiegel reduziert welche er auch mit erschreckender Präzision erfüllt. Die Intentionen des Filmemachers sind unübersehbar und man bekommt ein neues Gefühl, nein, einen neuen Blickwinkel vorgeführt die Themen wie Faschimus und fehlgeleitete Ideologien in ein völlig anderes Licht setzen.
Mich persönlich verblüffte aber in erster Linie die Genauigkeit wie Haneke und seine Schauspieler das ländliche Milieu mit all ihrer entfremdeten Menschlichkeit von damals darstellten. Wieviel Liebe zum Detail die Schauspieler in die Darstellung ihrer Rollen der einfachen protestantischen Bauern steckten. Die Erziehung, Ängste und Erwartungen der damaligen Zeit werden mehr als nur spürbar, man scheint trotz oder vielleicht wegen der monochromen Bildästhethik wie gefangen. Jede Szene ermöglicht einem einen besseren Einblick in diese vergangene Welt und spätestens am Ende als die letzten Worte gesprochen wurden und die Welt langsam verblasst, erkennt man die Symbolik hinter der ländlichen Fassade.

Der Verzicht auf einen manipulierenden Soundtrack beeindruckte zusätzlich. Vielleicht macht das den Film noch unmittelbarer weil authentischer. Gerade für mich, der sonst grossen Wert auf Filmmusik legt, ist mittlerweile ein konventionell vertonter Film nur noch schwer vorstellbar.

„Für mich sind Hanekes Filme notwendige Filme. Von Zeit zu Zeit sollte man sie sich ansehen. Aber sicher nicht immer.“ - Juliette Binoche

Selbst wenn man wie ich bislang nur" Das weisse Band" aus Hanekes Filmrepertoire kennt, kommt man nicht umhin Juliette Binoches Aussage vorbehaltlos zuzustimmen. Es ist sogar doppelt zu deuten, nicht nur sollte man von Zeit zu Zeit einen Film von ihm schauen, sondern es empfiehlt sich einen Haneke Film von Zeit zu Zeit öfters zu schauen. Gerade in diesem Fall ist dies sicherlich Pflicht, was wiederum erklären würde warum der Film noch immer im Kino zu sehen ist.

9/10

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