Sonntag, 31. Januar 2010

Filme: CLOUDY WITH A CHANCE... und SHERLOCK HOLMES

KINO: Cloudy With A Chance Of Meatballs (Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen)
Eine stimulierend-theatralisch-verfressene
Geekshowmetapher im Geiste alter Sci-Fi und 80er Trashperlen!
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KINO: Sherlock Holmes
Visuell als auch akustisch ein GIPSYPUNKiges Vergnügen. Downey und Law harmonieren wie 2 Waschweiber, herrlich!
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Cloudy With A Chance Of Meatballs (Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen)

Dieser Film ist für Animationsliebhaber schwer in Worte zu fassen, denn die Eindrücke waren schwindelerregend. Darum versuche ichs mal der Reihe nach:

Der Film beginnt wie er endet, als ein koffeinierter Zuckerschock mit Erdbeergeschmack. Von der ersten Sekunde, sobald der Credit "A Film By..." erscheint merkt man dass es sich hier um einen etwas anderen Film handeln könnten. Er sticht aus der Masse, durch...
...seine unverbrauchte, erfrischende Art Dinge zu sehen und darzustellen. Ein Film für die Youtube Generation im Gewand eines 80er jahre MTV Videoclips!
...seine überbordernde theatralisch-verspielte Art die einem ständig ins Gesicht schlägt und schreit "wir hatten verdammt viel Spass als wir uns den Film ausdachten, ALSO MACHT MIIIIT!"
...die vielen liebevollen Filmzitate, vom untersten Trashfach bis zu den grössten Sci-Fi Klassikern
...die visuelle Besessenheit des Films sich abzusondern. Der Film ist eine Reminiszenz an die 80er Jahre gemischt mit einem plastischen Naivismus. Man möchte beinahe sagen es handle sich um den ersten Playmobilfilm der Filmgeschichte :D
...filmusikalisch wurde Wes Andersons Hauskomponist, Mark Mothersbaugh engagiert, seines Zeichens Rebell und Frontmann der 80er Jahre Bandikone Devo. Und das hört man, der Score versucht einen Spagat zwischen John Williams Harmonien, Frankie Goes to Hollywoods Synthieeskapaden und Hans Zimmers Eingängigkeit zu schlagen. Mit Erfolg!
...die endlosen Fischer-, Essens- und Wettermetaphern die einem egal wie platt sie auch erscheinen mögen, nicht aus dem Schmulnzeln kommen lassen!
...der Spieltrieb der Kameramänner, die virtuelle Kamera wird an ihre Grenzen gebracht ohne dabei aber aufgesetzt oder experimentell zu wirken. Tatsächlich fügt sich die dynamische Inszenierung wie die Faust aufs Auge zum Rest des avantgardistischen Geekshow!

Damit diese Ausgeburt an überschwänglicher Filmbegeisterung nicht vollends ins Bananarama abdriftet ,wurde dem Film trotz allem eine alt bewährte Struktur und moralisch sehr simple Motive verpasst. So verrückt und abstrakt er sich nach aussen hin gibt so altbacken ist er im inneren. Es ist nicht alles geglückt, einige Zwischenmenschlichkeiten sind wirklich auf Kindergartenniveau gestuft worden. Dafür entschädigen einige wunderschöne Charaktere, die an verschrobener Liebenswürdigkeit kaum zu überbieten sind. Flints introvertierte Vater, der ein Relikt der alten Fischertage ist, ohne Verständnis für Elektronik oder der Leidenschaft seines Sohnes. Flint, der egozentrische Jungerfinder, der sich nichts mehr wünscht als die Anerkennung seines Vaters. Im Showdown wird beides auf eine sehr herzrliche Art verkehrt! fröhlich
Und natürlich nicht zu vergessen Steve der Affe, Earl der Polizist oder Baby Brent!

Ich denke, der O-Ton ist durch Mr. Ts , Bruce Campbells, James Caans und natürlich Neil Patrick Harris Beteiligung und durch den hohen Anteil an Wortwitzen Pflicht, auch wenn die deutsche Version absolut souverän ausgefallen ist.

Ci-Double-Ju-Ai-Ci-Ou-eM (^^) sehe ich als gelungenes Beispiel wie die Stereoskopie zum Designstilmittel erhoben wurde. Durch einen grösseren Kameraabstand wirkt das Bild plastischer, teilweise wie Wachsfiguren die durch die stilisierte Tex Avery-esken Animationen noch verstärkt werden. Zudem ist die Tiefe allgegenwärtig, aber der Bildraum ausserhalb der Leinwand verkommt nicht zum beliebigen Spielball sondern zum dramaturgisch sinnvollen Werkzeug (naja, gegen Ende nicht mehr aber bei dem Showdown seis verziehen).

Ich denke experimentierfreudige Animationsfans finden mit Cloudy With A Chance Of Meatballs (wie ich den Titel liebe!!! großes Grinsen ) eine Erfrischung die selbst im animationsverwöhnten 2009 gefehlt hat. Sony Animation Studios versuchen sich gezielt von den grossen 3, Pixar, Dreamworks und Blue Sky, durch Extravaganz abzuheben. Open Season ging inhaltlich konventionelle Wege, zeigte aber visuell einen bereits recht ausgeprägten Spieltrieb. Surfs Up ging den Weg einer herzlichen Surf-Mockumentary die ähnlich wie CWACOM versuchte sich von den klassischen US-Animationsfilmen abzuheben. Mit Erfolg wie ich finde. Der grosse kommerzielle Erfolg wird sich auch mit diesem dritten Kinofilm nicht einstellen, aber die Animationswelt ist wieder ein Stück reicher geworden.

In Ansätzen ist der Film mit seinem übertriebenen Charakter, seiner oberflächlich gesehen ungewöhnlichen Geschichte und den spritzigen Figuren artverwandt mit Blue Skys Horton hears a Who (man beachte den Titel ^^). Dem Umstand, dass bei beiden eine einfallsreiche Kinderbuchvorlage Pate stand ist, wohl zu verdanken dass beide Filme aus gewissen Animationsnormen ausbrachen.

Anvisiert, frequentiert, (kurz uriniert), fasziniert! 9/10


Sherlock Holmes

Ein altbewährtes Rezept, man nehme eine beliebte fiktive Figur, ein seit längerem vernachlässigtes Setting oder Epoche, garniere es mit einer modernen Erzählstruktur, einem noch moderneren Score und NOCH moderneren VFX und als Geheimzutat charismatische Schauspieler die auch über einige Mängel hinweg täuschen können. Um auch den letzten Funken Zweifel im Keim zu ersticken wurde an den lockeren Dialogen gefeilt bis sie wirklich sassen. Et voilà!

Sherlock Holmes unterhält. Zu verdanken ist das den gelungenen Dialogen, den beiden harmonierenden Charakteren, die mehr an verklemmte Waschweiber als Partner erinnern und Guy Ritchies erster richtiger Regiearbeit. Ritchies Filme waren schon immer sein ganz persönlicher Spielplatz. Umso spannender, endlich mal einen Film zu sehen, wo er sich auch unterordnen musste. Und es tat ihm sichtlich gut!

Hans Zimmers Score passt wie die Faust auf den gebrochenen Kiefer ;)
Dabei stört es nicht, dass das Thema aus dem Pirates Baukasten entsprang. Gerade der Gipsypunk Flair drückt den Film in noch spassigere Gefilde und das leichte Mickey Mousing versüsst ihn noch zusätzlich.
Rachel McAdams ist etwas unterfordert aber als leckere Beilage wie immer eine Augenweide.

Ein Film der auch nicht auf den Kopf gefallen ist, wobei der Kriminalfall zu wünschen übrig lässt. Etwas mehr Krimi fürs nächste mal wäre nicht verkehrt (schliesslich will man die Genialität von Holmes nicht bloss bei Faustkämpfen zu spüren bekommen ;)
Der Showdown einfallslos und altbacken zu nennen wäre noch untertrieben, aber das sind nun mal die Begleiterscheinungen von solchen Eventfilmen.

Für zwei unterhaltsame Stunden: aufgerundete 8/10

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