Samstag, 19. Dezember 2009

Filme: WHERE THE WILD THINGS ARE und PLANET 51

Ich würde jetzt gerne schreiben "Zwei Kinderfilme die auch Erwachsenen Spass machen." Nur bin ich mir da bei Where The Wild Things Are nicht mehr so sicher. Ein wirklich beeindruckender Film der allen Spike Jonze Fans Freudentränen in die Augen treiben wird, aber der Film wurde nach ersten Testscreenings (wo Kinder weinend herausgetragen und Erwachsene ebenfalls leicht verstört waren) nochmals ordentlich gekürzt und verändert. Jetzt dürfen ihn böse Zungen als teuersten Arthouse Streifen der Filmgeschichte schimpfen. Meinem Cineastenherz hats jedoch gefallen, ob das auch bei der anvisierten Zielgruppe gelingt...hööööchst zweifelhaft.


KINO: Where The Wild Things Are
Für Liebhaber des kindlichen Fantasiegenres mit psychologischen Anspruch ganz im Sinne von Pans Labyrinth oder Finding Neverland oder einfach für Leute die sich gerne der eigenen Kindheit stellen
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film

KINO: Planet 51
Nicht der ganz grosse Wurf, aber süss und lustig. Aber warum muss der Film bloss in SÄMTLICHEN Belangen amerikanischen Vorbildern nacheifern und diese sogar noch parodieren anstatt eigene Akzente zu setzen?
> T r a i l e r
> Meine ganze Kritik zum Film



Where The Wild Things Are
(Wo die wilden Kerle wohnen)

Zuallererst möchte ich sagen wie schwer beeindruckt ich von Spike Jonze bin. Selbst bei einem 80Mio$ Budget schafft er es seinen ungeschliffenen, rohen Stil, seine gedankliche Schieflage und emotionale Integrität beizubehalten. Mit Where The Wild Things Are ist ihm vielleicht der teuerste Arthouse Film gelungen den die Welt bis dato gesehen hat. Oder ein ambitionierter Kinderfilm? Oder etwa ein kindliches Psychogramm? Bin mir da nach wie vor unsicher...

Es ist faszinierend wieviel Jonze aus dem kleinen Buch herausholen konnte ohne es zu verfälschen und wie ernsthaft seine Herangehenweise ist. Während den ersten 15min beobachtet man Max wie er seinen Alltag meistert und bekommt dabei in ganz leichten Nuancen seine innere Zerrissenheit vermittelt. Er ist ein normaler Junge mit normalen Problemen, die aber durch die Kamera an Bedeutung gewinnen. Als Zuschauer ist man zwischen den Stühlen gefangen, einerseits fühlt man mit Max mit, weil er sich sichtlich als Opfer fühlt, andererseits sagt einem der eigene Verstand dass es bloss kindliche Unvernunft ist.

Interpretationsspoiler enthalten:
Sobald Max in der neuen Welt eintaucht beginnt das ultimative Abenteuer wie es sich wohl die meisten Kinder seines Alters ausgemalt hätten. Festungen bauen, Kriege ausfechten, Entdeckungen machen. Aber alles auf sehr rabiate Weise ganz im Sinne der Buchvorlage. Jeder Aspekt und jedes "wild thing" entspricht dabei mehreren zusammen gefassten Persönlichkeitsmerkmalen von Max und ähnlich wie in genreverwandten Filmen wie Pans Labyrinth, wo ein Kind die Brutalität eines Krieges zu verarbeiteten versucht oder in Finding Neverland die Fantasie ein Teil des Verarbeitungsproszesses über Leben und Tod wurde, manifestiert sich bei WTWTA Max gefühlte Vernachlässigung, Reue, Wut und Sehnsüchte in fantastische ambivalente Kreaturen mit kindlichem Gemüt.
Spoilerende

Als grosser Jim Henson Fan war ich natürlich von den Geschöpfen mehr als nur begeistert. Dass sie digital aufgewertet wurden macht die Sache nur umso beeindruckender weil in keiner Sekunde die Illusion der wilden Kerle ins Wanken gerät. Die digitale Mimik und Ausdruckskraft der Puppenspieler verschmelzen zu einer einzigen beeindruckenden Leistung. Der Soundtrack von Karen O (ihrerseits Frontfrau der Yeah Yeah Yeahs) und Jonzes Hauskomponist bilden das musikalische Äquivalent dazu. Karen O gelang eine Symbiose aus kindlicher Anmut und ambitionierten Singer/Songwriter Arrangements die von Burwells leichten Scoreklängen umrahmt wurden.

Als die Entdeckung schlechthin darf wohl Max Records bezeichnet werden der seinen Namensvetter nicht bloss spielt sondern lebt. Vielleicht hat Jonze die Rolle seinem Hauptdarsteller angepasst so dass er nichts anderes mehr tun musste als sich selber zu spielen. Wie auch immer, er vermag den Film scheinbar mühelos zu tragen ohne nur den Hauch von Zweifel zu schüren.

Interpretationsspoiler enthalten:
Where The Wild Things Are ist ein faszinierender Einblick in eine kindliche Psyche die für einmal nicht traumatisch zerrüttet wurde sondern die schlicht versucht mit den sozialen Herausforderungen und Nöten die ein Kinder Alltag mit sich bringt, fertig zu werden.
Eine überraschend schwermütige und vielschichtige Angelegenheit die gerade beim anvisierten Zielpublikum für sehr gemischte Reaktionen sorgen könnte, trotz der oberflächlich gesehen kindgerechten Aufbereitung.
Für Liebhaber des kindlichen Fantasiegenres mit psychologischen Anspruch oder einfach für Leute die sich gerne der eigenen Kindheit stellen ist WTWTA ein Festschmaus!

8/10




Planet 51

Es ist wohl Ironie dass der erste überzeugende CG Feature Film (plusminus) aus europäischen Gefilden gleichzeitig absolut nichts europäisches an sich hat sondern von Anfang bis Ende den amerikanischen Zeitgeist und die Kultur der 50er parodiert. Das wird zusätzlich von dem Umstand unterstrichen, dass die Ilion Studios, eine spanische Animationsschmiede, bei Planet 51 federführend waren. Dabei konnte gerade die spanische Filmlandschaft über die letzten Jahre und Jahrzehnte ganz eigene Akzente setzen.

Planet 51 bietet lustige Genrezitate am Laufmeter, dass nicht jeder zündet ist verzeihlich schliesslich bietet das zweite Standbein der Geschichte, eine Parodie auf die paranoiden 50er Jahre vermischt mit einer ad absurdum geführten Bodysnatchers Variation für weitere Lachsalven.
Die Story hinter der ganzen Tour de Popkultur (man merkt das ein Shrek Autor am Werk war ^^) fiel dagegen leider etwas zahmer und seichter aus. Toleranz und Aufgeklärtheit, schön und gut. Aber das ginge etwas feinfühliger.

Technisch gibt sich der Film mehr als nur souverän. Mit den aktuellen Spitzenreitern kann sich P51 zwar nicht messen, aber man sollte nicht aus den Augen verlieren dass der Film ein ambitioniertes Debutprojekt darstellt.

Ich hoffe für die llion Studios dass Planet 51 den erwarteten Erfolg mit sich bringt um kommenden Projekten den Weg zu ebnen. Nur wäre dann etwas mehr Eigenständigkeit und Mut zur eigenen Kultur wünschenswert.

7/10

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