Samstag, 17. Oktober 2009

Herbstzeit = Cineastenzeit

Die Blockbuster sind nur noch vage Erinnerungen (Gott sei Dank in Anbetracht des Sommers) und endlich trauen sich auch die etwas ambitionierteren Filme aus ihren Löchern. Ganz besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle zwei liebenswerte US- Indiefilme und einen besonderen Leckerbissen aus "Froonkreisch":



(500) Days of Summer
Mein persönlicher Film des Jahres. (500) Days will gar kein Liebesfilm sein und das schafft er mit seiner frischen Art wunderbar. Wäre er nur nicht so romantisch!
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Away We Go
Existenzieller Selbstfindungstripp als Wohlfühlfilm. Ein Film der sich über seine unkonventionellen Charaktere definiert. Liebenswert bis auf die Knochen!
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Louise Hires A Contract Killer
Dänische Delikatessen auf die französische Art. Nichts für Zartbesaitete. Schwarz, schwärzer, Louise!
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(500) Days Of Summer
Es gibt nur wenige Filme im Jahr die es wirklich verstehen mich zu begeistern. Und damit meine ich nicht etwa "Ja, guter Film. Hab gelacht ohne Ende" oder ähnliches. Sondern die wirklich berühren. Mich persönlich thematisch, visuell und vor allem akustisch ansprechen und in mir den Wunsch keimen lassen, ich hätte das Script selbst verfasst.

(500) Days Of Summer ist erfrischend unkonventionell. Der Film springt wie es ihm beliebt zwischen den Titel gebenden 500 Tagen umher ohne genaue Chronologie. Das erscheint auf den ersten Blick etwas unsinnig, macht schlussendlich aber den grossen Unterschied aus. So werden Szenen verknüpft die Wochen und gar Monate auseinander liegen und die mit dem neu erschaffenen Kontext und Kontrast zwischen völliger Hingabe und totalem Liebesfrust eine eigene Dynamik gewinnen.
Zooey Deschanel und Joseph Gordon-Levitt sind für sich alleine zauberhaft und in ihren besten gemeinsamen Momenten noch zauberhafter. Aber wirklich Eindruck hinterlassen sie am Ende wenn sie in gereifter Form wieder erscheinen (um es mal spoilerfrei auszudrücken).

Am Ende des Films sass ich mit diesem einen besonderen Gefühl im Kino. Jenes Gefühl, das meiner Meinung den Zauber des Kinos definiert. Wenn man es als Filmemacher schafft den Zuschauer so zu beeinflussen dass er sich am Ende des Films erlöst und inspiriert fühlt. Nicht bloss darüber nachdenkt sondern wirklich es körperliche empfindet, dann darf man sich meiner Meinung nach wirklich Filmemacher nennen. Und dieser Hinsicht haben beide Autoren und der Regisseur, den Gipfel bezwungen
Gerade weil der Film von sich behauptet kein Liebesfilm zu sein und während der Hälfte seiner Laufzeit nur Zweifel und Frustration schürt, erzeugt das zusammen mit der wunderschönen Schlussaussage das ironisch-bittere Mixtur die wahrlich zu Herzen geht (eine Kunst die die Franzosen perfektioniert haben).

(500) Days Of Summer ist sarkastisch in der Inszenierung, verträumt und naiv im Herzen , ehrlich in der Darstellung und Aussage.

"Most days of the year are unremarkable. They begin, and they end, with no lasting memories made in between. Most days have no impact on the course of a life."
Film is life sag ich dazu nur.

Away We Go
Ich würde den Film Roadtrip ins Leben nennen. In Ordnung, ich gebs zu, wären die Nebencharaktere nicht so wunderbar auf den Kopf gestellt und wäre vor allem und überhaupt, John Krasinski und seine Rolle nicht so erfrischend echt könnte der Film sich in seinen existenziellen Schwermut ganz schnell verlieren.
Die Handlung des Films ist in wenigen Worten zusammen gefasst. Für die Charaktere braucht man dagegen bedeutend mehr Zeit um ihnen gerecht zu werden. Der Mensch definiert sich durch sein Umfeld, so eröffnet der Film dem Zuschauer die Möglichkeit der Selbstbestimmung. Jeder hat die Wahl wenn es um sein Leben geht. Aber letzten Endes definieren wir uns nicht bloss über andere sondern wurden auch durch andere geprägt.
Gerade diesen finalen Gedanke empfand ich als schön eingebettet.

Der Film stellt die Beziehungsklischees Kopf. Burt und Verona mangelt es nicht an Liebe, sondern an Perspektiven und Ambitionen. Zwei verlorene Twentysomethings in den Körpern von irgendwelchen Mitdreissigern. Jeder Student kennt das Gefühl, der Punkt an dem die beiden am Anfang stehen. Der "was mache ich aus meinem Leben" stellt der Film wie ich finde angenehm unaufdringlich. Er liegt mehr wie ein Schatten auf den Charakteren, aber ohne sie dabei als gescheiterte Individuen darzustellen. Der Film nimmt sich dieser Fragen eher leicht an, so wie es auch häufig im leben abläuft. man sorgt sich Ende des Studiums über die eigene Zukunft, aber sobald es soweit ist lösen sich viele Fragen von selbst. Gerade diese optimistische Art mag ich an Away We Go.

Ich ertappe mich jedes Mal wie ich am Ende eines Mendes Films entweder unglaublich angespannt oder sehr erleichtert bin und deswegen ihm am liebsten ständig eine 9 als Wertung hinterher werfen würde.
Away we go ist sein mit Abstand leichteste Arbeit. Eine Indiekomödie wie sie sein sollte, sorgenvoll mit einem grossen Schuss Optimismus.

P.S
Irgendwie vermisste ich Thomas Newmans verspieltes Pianogetänzel. Aber die von Alexi Murdoch geschriebenen Songs werden dem Genre wohl gerechter.

Louise Hires A Contract Killer
Ein absoluter Geheimtipp. Für alle Liebhaber von absurden und bitterbösen Filmen wie Dänische Delikatessen, Adams Äpfel oder In China Essen sie Hunde. Der Vergleich kommt nicht von ungefähr. Selten hat man so abartiges, krankhaftes und wahnwitziges Verhalten auf einer Leinwand gesehen. Dabei ist weniger das "was", sondern viel mehr das "wie"so beispiellos krotesk. Beide Hauptfiguren sind recht schlichte Gesellen wenn es um Denkaufgaben geht. Darum wird lieber aus dem Bauch heraus entschieden. Zur Freude der Zuschauer kann man da nur sagen! ;)

1 Kommentar:

  1. @500 Days: ja, das hast du toll beschrieben. Man spürt sich richtig befreit nach dem Film und möchte wie Tom durch die Straßen tanzen. Selten so einen schönen Liebesfilm gesehen.
    Und warum guck ich so selten in deinen Blog, das ändere ich, versprochen!

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