Freitag, 23. Oktober 2009

Arthouse Kinocharts (W.42) und "Inglourious Basterds"

Wie viele vielleicht wissen wohne ich in unmittelbarer Nähe des zweifelsfrei zauberhaftesten, angenehmsten und programmtechnisch versiertesten Programmkino dies und jenseits des Rheins (ok, die roten Sofasessel des TAK fehlen noch zur Perfektion ^^). Mit einer solchen Quelle direkt um die Ecke möchte ich mal eine kleine Rubrik starten deren Inhalt ich selber wöchentlich mit Spannung verfolge > die deutschen Arthouse Kinocharts.
Alle die nun gelangweilt die Augen rollen sind somit entlassen ;)
> Zu den kompletten Arthouse Charts

Am Ende findet ihr noch eine nachgereichte Meinung zu Inglourious Basterds von mir, da sich der Film nun schon tapfere 9 Wochen in den Charts hält und das absolut verdient!



Wochenende 15.10. – 18.10.2009 (42. KW)
(nach Besucherzahlen in den Mitgliedskinos der AG Kino-Gilde; Quelle: EDI / AG Kino-Gilde)

1 (NEU) Das weiße Band
Michael Hanekes Parabel über die Ursachen des Faschismus – ausgezeichnet mit der Goldenen Palme
(1. Woche, Regie: Michael Haneke)

2 (1) Vision – Hildegard von Bingen
Barbara Sukowa als legendäre Frauengestalt und Naturheilerin des Mittelalters
(4. Woche, Regie: Margarethe von Trotta)

3 (NEU) Away we go – Auf nach Irgendwo
Ein road-movie durch Amerika, ein Pärchen auf der Suche nach dem Platz im Leben
(1. Woche, Regie: Sam Mendes)
> meine Meinung

4 (2) Verblendung
Die Verfilmung des Weltbestsellers von Krimiautor Stieg Larsson
(3. Woche, Regie: Niels Arden Oplev)

5 (6) Unter Bauern
Veronica Ferres als verfolgte Jüdin Marga Spiegel.
(2. Woche, Regie: Ludi Boeken)

6 (7) Maria, ihm schmeckt's nicht!
Liebevoll-ironische Bestsellerverfilmung mit Christian Ulmen
(11. Woche, Regie: Neele Leana Vollmar)

7 (4) Inglourious Basterds
Goldene Palme für Christoph Waltz
(9. Woche, Regie: Quentin Tarantino)
> meine Meinung

8 (3) Gigante
Eine einfühlsame und subversive Liebeskomödie aus Uruguay.
(3. Woche, Regie: Adrian Biniez)

9 (9) Coco Chanel
Audrey Tautou personifiziert die französische Modelegende
(10. Woche, Regie: Anne Fontaine)

10 (8) Louise hires a contract killer
Anarcho-Komödie vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise
(4. Woche, Regie: Gustave Kervern und Benoît Delépine)
> meine Meinung


Das Weisse Band stellt Deutschlands nächstjährigen Oscar Beitrag dar. Die Reaktionen auf den Film sind beinahe schon euphorisch. Nur hadere ich noch mit dem Kinobesuch, der Trailer wirkt auf mich sehr distanziert und kühl, auch wenn der Film das genaue Gegenteil davon sein soll. Da hilft wohl nur der Sprung ins kalte Wasser...

Verblendung gehört ebenfalls zu der Kategorie von Film, die als Trailer alles andere als ansprechend wirken, aber von den Kritiken hochgelobt werden.

Und ich freue mich bereits auf nächste Woche bis (500) Days Of Summer in den Charts für Unruhe sorgen wird. Der Film wird Anklang finden, da bin ich mir sicher! ;)




Inglourious Basterds
(Direkt an Herrn Tarantino gerichtet da vieles wieder gut zu machen ist ^^)


Quentin, ich habe ja schon viel negatives über dich gesagt. Der Filmfanatiker der zum Kapitalist wurde (wegen deiner Spinnerei Filme als Zweiteiler rauszubringen, eine Idee die du bei IB ebenfalls wieder hattest), dass du dich deswegen auch nicht mehr aufs wesentliche beschränken könntest und einfach alles filmst was dir in den Sinn kommt...etc etc.


Aber nach diesem zweieinhalbstündigen cinephilen Rauschzustand hast du mich versöhnt. Und wie!
Ich bin schon lange nicht mehr mit so einem zufriedenen Grinsen aus dem Kinosaal gekommen. Deine Filmeröffnung ist eine einzige Ehrerbietung an Leone, dein "Stolz der Nation" eine augenzwinkernde Reminiszens an Goebbels Propagandafilme. Inglorious Basterds quellt förmlich über vor Liebe zum (deutschen) Film. Und genau diese Liebe machst du dir zu nutze um mit historischen Fakten und Gegebenheiten selbstironisch und voll abstrakter Ideen zu jonglieren. Wie gewohnt, ist niemand vor dir sicher. Du sprengst einfach alle Erwartungen.
Der "cinematische" Showdown ist seiner ganzen durchtriebenen Art ufert im wahrsten Sinne des Wortes in einer absoluten Anti-Walküre Darbietung. Aus zwei mach 4.


Christoph Waltz, meine Hochachtung. Auch der Rest des deutschen Casts waren herrlich überzogen. Der Film spielt im dritten Reich, mit Figuren die sehr lebendig wirken. Aber praktisch jede Rolle wirkte auf mich als ein satirisches Abbild ihrer Selbst. Durchdrungen mit Pathos und Eifer und einer grossen Portion Originalität (weiteres Steckenpferd von Tarantino)


Einziger Wermutstropfen:
Der Soundtrack. Stimmungsvoll und für jede Szene passend ausgewählt. Aber als ganzes ohne Form und Zusammenhalt. Es fehlt der Faden der dem Film auch akustisch Charakter verleiht. Und was sollte dieser David Bowie Song??
Es wäre tatsächlich das Tüpelchen auf dem "i" gewesen wenn Morricone das Angebot von Tarantino angenommen hätte. Oh welch ein Traum!


Der Film ist das reinste Stimulanzmittel. Versüsst mit einem Dauerbombardement an Filmzitaten.

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