Samstag, 15. August 2009

Kritik: Kleine Tricks und Tropa de Elite

Zwei wundervolle Filme tummeln sich im Augenblick in den deutschen Arthouse Kinos. Kleine Tricks ist eine kleine, lebensbejahende Komödie aus Polen, Tropa de Elite ist ein ernüchterndes aber ungemein faszinierendes Sozialdrama über den Drogenkrieg in Rio.
Zwei sehr gegensätzliche Filme, nicht nur in geografischer Hinsicht, und trotzdem sind beide im Kern sehr ehrliche und unbeschönigende Momentaufnahmen von zwei gebeutelten Schicksalen.





Wer mehr erfahren will, dem empfehle ich den nachfolgenden Link zu meinen Kritiken >>


Kleine Tricks
Viele Stimmen vergleichen den Film mit "Amelie", und es stimmt. Stefek erscheint wie der kleine Bruder der französischen Romantikerin. Mit dem selben Eifer und der selben unbeirrbaren Überzeugung versucht er dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen.

"Kleine Tricks" steckt voller Optimismus. Gesundem Optimismus, scheut sich aber nicht davor, den harten Alltag und bittere Niederlagen als eine Notwendigkeit anzuerkennen.
Andrzej Jakimowski Arbeitsweise steht dabei sinnbildlich für den Film selbst. Mit kleinen Tricks grosse Wunder zu kreieren. Die Kraft und Fantasie eines Kindes auf die grosse Leinwand zu zaubern ohne dabei den Luxus der grossen Hollywood Zauberkiste zu besitzen. Der Regisseur fing die kärgliche polnische Landschaft mit vollen Farben und träumerischen Einstellungen ein, die sie wie ein Zauberland erscheinen lassen.


Tropa de Elite

Ungemein kraftvoller Film. Man liest in diversen Kritiken wie ähnlich ToE und Mireilles City Of God sein sollen, und jetzt versteh ich auch warum. Selbe Schlachtfeld, andere Perspektive.
Wenn man genauer hinschaut merkt man aber dass vor allem filmisch einige Unterschiede bestehen. ToE ist durch seine dokumentare Art direkter. Kein Film für Wackelkamera-phobe Menschen Augenzwinkern

Sehr viel Spass hat mir die erzählerische Struktur bereitet. Der Film ist in drei Ebenen unterteil und über alle legt sich der Voice Over von Beto, Captain einer BOPE Einheit (Sonderkommando der brasilianischen Polizei gegen die Drogen in den Slums) und Hauptfigur des Films. Sämtliche Entwicklungen werden durch seine Sicht dargestellt. Gerade am Ende garantiert das eine scharfe doppelbödige Auflösung.

Erstes Drittel lässt sich Zeit um Charaktere und die Situation zu erklären. Beto ist mit seiner Stimme allgegenwärtig, aber anfangs kaum zu sehen. Stattdessen begleitet man die beiden Polizeineulinge Neto und Matias, deren Entwicklung im Mittelpunkt steht. Ihr Schicksal ist bestimmend für Betos Erlösung.
Die zweite Hälfte zeigt den gnadenlosen Drill von BOPE Mitgliedern. Keine leichte Kost und mit einem beinahe schon unmenschlichen Sarkasmus gewürzt.
Das Ende zeigt dann den unausweichlichen Zusammenstoss zwischen den Dealern und den BOPEs.
Dass das ganze nicht in blosses schwarz-weiss Denken verkommt ist den Menschen zwischen den Fronten zu verdanken. Man bezieht zwangsläufig selbst Position. Stellt sich selber vor wie man handeln würde, denn Korruption beginnt schleichend und meist mit einer guten Absicht.
Spannend ist auch der Aspekt dass der Film nur kleinere Dealer zeigt, aber keine mächigen Bosse. Diesen Part, den des "Filmbösewichts" wird souverän von der Korruption die jeder Drogenkrieg mit sich bringt ausgefüllt. Je länger ich darüber nachdenke desto faszinierender erscheint dieser Umstand, denn das entlarvt den Film als eine ernüchternde Bestandsaufnahme. Keine Hoffnung, keine Lösungen, nur lakonische Realität und die Gewissheit dass es keinen richtigen Weg gibt.

Der Drogenkrieg und Korruption der Behörden an sich wären schon spannend genug, doch durch Betos Bedürfnis nach Erlösung bekommt der Film eine zusätzliche Fassette. Der ganze Film ist seine Sicht der Dinge, seine Werte werden vermittelt, seine Meinung transportiert. Dass dies auch konträr zu den Bildern verlaufen kann, erscheint einleuchtend und da steckt das Geheimnis des Films. Die Kunst durch verschiedene erzählerische Ebenen und Perspektiven Gegensätze und Widersprüche aufzubauen die dann interpretiert werden dürfen. Die letzte Einstellung des Films spricht dafür wieder eine unmissverständliche Sprache.

Für City OF God Fans oder Liebhaber des südamerikanischen Kinos ohnehin ein Pflichtfilm!

1 Kommentar:

  1. Der Film ist nun auf DVD zu kaufen. wir haben ihn uns auch angeschaut und ein Text dazu geschrieben.

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