Donnerstag, 2. Juli 2009

Zu sentimental für Film, zu traurig fürs Leben

"Here's probably the saddest thing you'll read today: Pixar grants girl's dying wish to see 'Up'. I don't want to spoil every heart-wrenching detail, but basically, as the title implies, a 10-year-old girl is dying of cancer, her mom contacts Pixar, Pixar flies out an employee with a DVD, and the girl dies 7 hours later. That's right, she doesn't even secretly make a copy of the disc and upload it to the internet; this story is pure, gut-wrenching sentimentality."


Das ist bloss zur Einstimmung, wer sich richtig bewegen lassen will, soll folgendem Link folgen und in Ruhe die Seite durchlesen:
>> Klick

Ich war wirklich gerührt. Eine Geschichte wie sie nur das Leben bieten kann, weil sie in einem Film wohl als zu sentimental empfunden würde. Aber that's life!
Hier noch eine deutsche Übersetzung.

Es ist interessant, dass solche Themen in Filmen gerne vom Zuschauer abgeblockt werden weil sie als zu aufgesetzt und zu kitschig empfunden werden... Ähnlich verhält es sich zum Beispiel bei klassischen Underdoggeschichten. Ein mittelloser Tellerwäscher aus armen Verhältnissen erkämpft sich seinen Traum. Ein Thema das in Filmen gern verwendet wird, aber das oft zum aufgesetzten und vorhersehbaren Schauspiel verkommt.
Zu viele Faktoren, Genre, Handlung, Charaktere bauen auf Stereotypen und Klischees auf, welche im Publikum, egal ob bewusst oder unbewusst, eine Erwartungshaltung entstehen lässt. Das führt dazu dass Ereignisse vorweggenommen werden und somit, egal wie gut gespielt oder inszeniert, der Film die Zuschauer nicht erreicht. Kluge Filmemacher dagegen spielen mit diesen Erwartungen.

Klassisches Beispiel war auch Paul Potts, der sich seinen Traum, Opern zu singen, im englischen Pendant von "Deutschland sucht den Superstar" erfüllen konnte.
Er kam aus dem nichts, vor dem Auftritt belächelte man ihn von oben herab und viele sahen ihn schon als die Lachnummer des Abends. Im Film dagegen wäre das Publikum bereits seit 60min auf den Moment sensibilisiert an dem Potts durch seinen Gesang die Menge zum toben bringt. Im echten Leben dagegen waren keine (positiven) Erwartungen vorhanden, die Überraschung sass bei den meisten perfekt und verfehlte darum seine Wirkung nicht.

Ich habe die Beobachtung gemacht, dass man in Filmen trotz den Erwartungen einen ähnlichen Effekt erzielen kann, wenn man die Reaktionen Dritter einbaut. Bei Potts wäre es zum Beispiel die Tränen der Jurorin oder die Standing Ovations der Zuschauer im Studio. Wer sich dem Einfluss von Potts Darbietung entziehen konnte, der wird spätestens bei den Reaktionen der Leute beeinflusst. Ein interessanter psychologischer Effekt.

Die deutsche Telekom hatte letztes Jahr einen Werbespot produziert, der exakt auf diesen Effekt abzielt. Zumindest bei mir mit Erfolg.

Lange Rede, kurzer Sinn, schaut selbst (kennen werden es ohnehin alle ;):
:: Original Paul Potts Auftritt
:: Deutsche Telekom Werbespot

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