Samstag, 4. Juli 2009

Trickfilme, Klospülungen und Wackeldackel

Bevor ich meine Rezis zu Coraline und Ice Age poste, muss ich noch schnell einen kleinen Kommentar zum aktuell grassierenden "Lass uns die Toilettenspülung verfilmen" Boom loswerden. Oder wie nennt man das, wenn Ankündigungen durchs Netz geistern, in denen Verfilmungen von "Schiffe versenken", "Asteroids" und....Achtung...gleich kommts...moment......."Monopoly" angekündigt werden??
Also als Zuschauer sind die Filme wohl so notwendig wie ein Wackeldackel in der Dusche, aber ich glaube als Drehbuchautor wäre das eine ziemlich spassige Angelegeneheit. Keine Verpflichtungen, keine Fans, nur du und der kleine nostalgische Funken der darauf wartet aufs Papier gebracht zu werden. Jaaa, ich glaub ich melde mich mal für eine potentielle "Pong" Verfilmung oder "Schiffe Versenken H3" an ^
Apropos, Minesweeper - The Movie. Herrlich!

"Mittlerweile wirken die Blue Sky Filme wie die alten Star Trek Filme auf mich. Die ungeraden Zahlen sind nett, die geraden dagegen tuns mir besonders an. Ice Age 3 (seines Zeichens der fünfte Blue Sky Ableger) ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme.

Aber er hat mit trotzdem gefallen. Nach dem durchwachsenen zweiten Teil haben sich die Macher wieder auf die Stärken des Originals besonnen: Sympathische Charaktere und familiäre Werte...
Die Anzahl der Hauptcharaktere wurde beibehalten, die Nebencharaktere mit bedacht erweitert.
Während den ersten 15min schleppt sich der Film etwas steif dahin, was an den etwas hölzernen Dialogen liegen kann. Sobald die Eier aber ins Spiel kommen, kommt auch der Film im wahrsten Sinne des Wortes ins Rollen. Ab diesem Punkt nimmt eine regelrechte Achterbahnfahrt ihren Lauf und auch wenn nicht jeder Ride wirklich originell erscheint, so steckt dennoch ungemein viel Wärme und Witz in allem was die Figuren durchleben. Die Gags zünden nicht immer, gerade wenn die Tiere sich zu menschlich geben, aber allein der Plot rund um Sid und seine neu gewonnene Familie ist einfach nur süss. Ein Wort das generell auf den ganzen Film zutrifft, nicht bloss weil man mit einem Dauerfeuer an "Jöö" Momenten bombardiert wird sondern weil sich der Film zurücknimmt. Trotz aller Action bewies Regisseur Saldanha dass er aus den Fehlern des zweiten Teils gelernt hat. Inszenatorisch hat er sich ebenfalls ins Zeug gelegt, das Sahnehäubchen des ganzen Films waren die wahnhaften Visionen von Wiesel Buck (Simon Pegg im Original).

Zitat von mir über den zweiten Teil:
"Gute Unterhaltung. Scrat ist universell, da lacht gross und klein. Am eigentlichen Plot scheiden sich die Geister."

Bei der zweiten Fortsetzung verlagert sich dies zu Gunsten der Haupthandlung, Scrat dagegen, auch wenn wieder einige superbe Szenen ausgedacht wurden, verliert langsam an Biss. Vor allem gegen Ende, woran Scratte nicht ganz unschuldig ist. Dafür entschädigen sämtliche Lou Rawls Szene (You'll never find *sing* =D )

In meinen Augen ist Ice Age 3 neben Coraline der einzige 3D Film für den die Stereoskopietechnologie keine Spielerei für Technikbesessene mehr ist ,sondern ein Stilmittel welches in den entscheidenden Momenten dramaturgisch noch das letzte aus den Szenen heraus holen kann.

7/10 zufriedene Punkte. Meine animationsaffine Veranlagung würde sogar eine 8 ins Auge fassen."

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"Anfang Mai fand die 14. FMX und das 16. Trickfilmfestival in Stuttgart statt und unter anderem durfte man unter Beisein des Regisseurs und diverser Beteiligter (Supervisor, Animatoren) den Film als Deutschlandpremiere und in 3D sehen.

Coraline bedient sich bei den selben Zutaten Disney, Miyazaki und Co. wenn es darum geht eine Geschichte über ein Mädchen in einer fremden Welt zu erzählen. Der Unterschied steckt im Falle von Coraline im Detail... Angefangen mit Coraline selbst, deren Charakter sehr lebendig und aufmüpfig wirkt. Sie weiss sich zu wehren und ist auf ihre prepubertäre Art der wohl interessanteste Kindcharakter seit langem. Auch sind es in erster Linie die Nebenfiguren die als Eltern, Nachbarn oder als verschrobener Stalkersjunge in Erscheinung treten. Die Detailbesessenheit mit der die Figuren zum Leben erweckt wurde, ist kaum zu glauben (animationstechnisch aber auch was die Ausarbeitung auf dem Papier betrifft). Noch nie hat ein Stop Motion Film so fliessend und und rund gewirkt.

Die Geschichte selbst hängt an unlängst bekannten Eckpfeilern. Dank der fantasievollen Vorlage von Gaiman und dem fast noch fantastischeren Production Designs von Selick himself fällt das aber kaum negativ ins Gewicht. Die Geschichte ist funktionell und vor allem kindgerecht, so wie es sein soll. Für die Erwachsenen gibt es dafür einen angenehm pfefferigen Humor und jede Menge verschrobener Anspielungen.

Bruno Coulais, der Komponist von dem herausragenden "Les choristes", hatte die (anfangs) undankbare Aufgabe in die festgefahrenen Fussstampfen eines Danny Elfman zu schlüpfen. Man muss kein Musikkenner sein um Elfmans Einfluss auf Selicks Filmvorstellung herauszuhören. Anstatt sich davon erdrücken zu lassen, was oft Komponisten passiert die einen anderen Stil adaptieren müssen, machte Coulais aus der Not eine Tugend und kreierte einen sehr eigene Klangschöpfung, die sich zwar atmosphärisch an Elfman anlehnt, aber in Wirklichkeit wesentlich minimalistischer und fokussierter erscheint. Man könnte Coralines Score als eine Mischung aus Elfmans mystischer Verträumtheit, Thomas Newmans verspielten Naivität (achtet vor allem auf die Wall-E Parallelen!) und Coulais eigener choraler Gänsehautästhetik bezeichnen. Die Vorbilder sind klar ersichtlich, aber irgendwie hat der Komponist es trotzdem geschafft, eine eigenständige Partitur zu schreiben die das Zeug zur besten Filmmusik 2009 hat. Der Grundstein für Coulais internationale Karriere ist gelegt.

Alles in allem macht das zusammen aus Coraline ein herausragendes Animationserlebnis das man in dieser (für Stop Motion Verhältnisse) technischen Qualität noch nicht gesehen hat. Ein modernes Märchenfest für die Sinne!

9/10"

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EDIT: An alle Abonnenten des Blogs. Das Rumbasteln hat bald ein Ende, versprochen! :P

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