Mittwoch, 3. Februar 2016

#ProjectMomentum: Figureneinführungen, Meerjungfrauen & Kinoentzug

Dritte Woche #ProjectMomentum...

Worum geht's? Hier nachlesen!

Was diese Woche geschah...
  • 1 Buch: Mission "Weissenseekonnte noch nicht fortgesetzt werden. "The 21st Century Screenplay" von Linda Aronson hatte meine Aufmerksamkeit zu sehr beansprucht. Bin eher zufällig über einen Tipp von Huan "Die Farbe" Vu darauf gestoßen, hat mich dieses Buch jedoch sofort in seinen Bann gezogen. Huan sagte dazu "Anything you need to know about non-linear storytelling with flashbacks and time jumps is in her book. If Christopher Vogler is the Yin of screenwriting, then Linda Aronson is the Yang." Dem kann ich nur beipflichten, dabei hab ich erst ein Drittel des Buches durch. Ich stehe Fachliteratur über das Drehbuchschreiben mittlerweile kritischer gegenüber. McKee sehe ich eher als ein Ratgeber fürs Leben als fürs Drehbuchschreiben. Vogler hat seine Daseinsberechtigung, aber sollte 2016 bitte nur noch als historische Quelle genutzt werden. Dito Field. Gut zu kennen, aber bitte nicht blind nachahmen. Goldmann schätze ich sehr, keiner zieht so schön über Hollywood her und vermittelt einem dabei noch wertvolle Tipps aus dem Leben eines gepeinigten Drehbuchschreiberlings. Snyder ist überbewertet aber zugegeben, seine Katzenbibel liest sich wunderbar leicht. Kurzum, viele der sogenannten Gurus finden schöne, wahre und manchmal auch präzise Worte wie man Drehbücher schreiben KANN. Nur lenkt es eigentlich nur davon ab, dass man selbst etwas schreibt. Prokrastinationalarm und so.
Logo #ProjectMomentum, (c) Lisa Steinbrück
  • 2 Filme: Ich schaff es einfach nicht ins Kino. Shame on me. Anomalisa, Creed, The Danish Girl, Brooklyn, The Big Short. Pustekuchen. Ich hab im Zuge meiner Recherche zumindest Lilo & Stitch geschaut, ein Film über zwei Geschwister-Waisen im Clinch mit den eigenen Alltagsproblemen und hartnäckigen Jugendamt. Gutes Beispiel wie komplexe, soziale Probleme auf ein verständliches Maß runtergebrochen werden können, ohne dabei an Dramatik oder Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das Setting angesiedelt in einem von Armut geprägten Hawaii verbunden mit toten Eltern, auf sich allein gestellte Kinder und Behörden, die Familien in zwei reissen, wäre für einen Disneyfilm bereits ohne eine außerirdische Killermaschine mit Faible für Elvis gewaltiger Tobak. Nicht umsonst einer der schändlich unterbewertetsten Disneyklassiker. 
  • 7 Drehbuchseiten: Ich sitze aktuell an zwei wichtigen Figureneinführungsszenen. Einmal von Sharon (meiner kindlichen Protagonistin) und einmal von Jule, einer Nebenfigur, die der moralische Kompass des Films werden dürfte. Beide Szenen müssen viele Informationen vermitteln. Wer sind sie? Wie sind die Beziehungen? Dazu wird der Hauptschauplatz, eine Berliner Platte, ein Mikrokosmos im Berliner Überkosmos, eingeführt. Gleichzeitig darf die Handlung nicht stoppen. Als die erste Szene des gesamten Films soll sie den Ton des Films definieren. Muss visuell genug Potential besitzen um die Zuschauer neugierig zu machen, aber auch nicht zu sehr von der eigentlichen Attraktion des Films - Sharon - ablenken, die hier ihren Sherlock Moment erlebt. Gregor wartet auf die Szenen, darum soll das fürs Erste reichen.  
  • 7 Stunden Story Development: Bei Gregor konnte ich nicht viel tun (oder Greg?), also schraubte ich an einer Kurzgeschichte aka Comic an der ich seit November sitze. Eine Zusammenarbeit mit der begnadeten Illustratorin Karoline Pietrowski. Ich würde es eine persönliche Interpretation von Andersens "Die kleine Meerjungfrau" nennen. Mit einer Prise The Shining, E. A. Poe und Heidi. Inspiriert von Del Toros Crimson Peak.
Fazit: Nicht die produktivste Woche. Ich werde darum die oben erwähnte, erste Drehbuchszene zum Anlass nehmen um direkt mit dem Drehbuch weiterzufahren. Ich tendiere ohnehin zu extremer Prokrastination. Das Lesen von Drehbüchern, über Drehbücher und das Verfassen von Outlines für Drehbücher ist nur eine andere Form mich von dem eigentlichen Drehbuchschreiben zu drücken. Gefahr erkannt. Nun geht es ans Bändigen!

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Hard but unfair, die andere (Blog)seite zum #ProjectMomentum aus der (englisch verfassten) Sicht von Gregor, meinem Partner in Crime. Alle Beiträge zu diesem Schreibprojekt werden bei ihm und bei mir unter dem Hashtag #ProjectMomentum gesammelt. Unsere bisherigen Drehbücher lassen sich hier nachlesen.

Dienstag, 26. Januar 2016

#ProjectMomentum: Aller Anfang ist Outline - Von Genesis bis Weissensee

Zweite Woche #ProjectMomentum...

Worum geht's? Hier nachlesen!

Was diese Woche geschah...
  • 1 Buch: Ich entschloss mich, die Drehbücher zu Weissensee von Annette Hess zu lesen, die mich nun die kommenden sechs Wochen begleiten werden. Jede Woche ein Script. Ich dachte mir, wenn ich es schon nicht schaffe, diese vielgerühmte Serie zu schauen (trotz Netflix), mache ich aus der Not zumindest eine Tugend und lese die Scripts. Zu finden gibt es alle Drehbücher der ersten Staffel auf der Podcastseite des Verbandes der Deutschen Drehbuchautoren. Die erste Folge weiß zu gefallen, nun verstehe ich auch, warum viele die Nähe zwischen Deutschland 83 zu Weissensee hervorheben. Es passiert noch nicht wirklich viel, die Figuren und Familienverhätlnisse werden etabliert und die ersten Brotkrumen für zukünftige Konflikte gestreut. Alles recht simpel, was aber nur (erneut) beweist, dass die Zeiten längst vorbei sind, als Piloten noch vollgestopfte Expositions-Ungetümer waren.  Es ist auch schön zu sehen, wie erfahrene Autoren wie Annette Hess arbeiten. Das Script ist eine sauber formatierte und klar formulierte Arbeit, ohne große Spielereien. Vielleicht etwas altmodisch, so fiel mir auf, dass Jump Cuts (um unnötige Zwischenszenen zu überbrücken) von Hess mit "Zeitsprung" eingeleitet werden. Finde ich persönlich irreführend, aber das ist wohl eine Stilfrage. Vielleicht wird das an deutschen Hochschulen so gelehrt? Lasse mich gerne eines besseren belehren. Übrigens sind deutsche, legal gehostete Drehbücher rar gesäht im Netz. Da werde ich nach Weissensee auf das Archiv meines Brötchengebers zurückgreifen müssen.
  • 2 Filme: Auf Arte+7 die BBC-Doku über Genesis von 2014 gesehen und geliebt. Hat in mir meine alte Genesis-Flamme wieder geschürt, insbesondere für die Progressive Phase mit Peter Gabriel. Hat #ProjectMomentum nicht wirklich was gebracht, außer die Erkenntnis, dass Londons Musikszene der frühen 70er Jahre als David Bowie, Genesis, Yes und Co. ihre Anfänge nahmen, ein faszinierendes Setting für eine Serie wäre. Empire meets Peaky Blinders mit einem kleinen Soapschuss Nashville. Würde mir gefallen, Cameron Crowe, bitte übernehmen Sie!
    Ansonsten begann ich mit der bei Amazon Prime "ausgestrahlten" Fantasyserie The Shannara Chronicles aka Twilight in Middle-Earth (oder doch eher Mad Max im Taka-Tuka-Land...) mit viel zu großen Game of Thrones Ambitionen. Von den Smallville-Machern. Macht Laune, nur bleibt es letztendlich "nur" B-Fantasyware à la Legend of the Seeker.
  • 7 Drehbuchseiten: Gut, es sind keine sieben Drehbuchseiten geworden, aber eine immer detaillierter werdende Outlineseite in Evernote, die von Gregor auch schon reichlich mit Feedback befeuet wird. Daraus wuchs eine kleine Diskussion darüber, wieviel Raum Nebenfiguren und Subplots für sich beanspruchen können. In Folge dessen werde ich diese Woche strukturell ähnlich gelagerte Filme, wie er mir selbst vorschwebt, sichten und genauer studieren. Allen voran Little Miss Sunshine und My Girl.
  • 7 Stunden Story Development: Gregors ausführliche Outline mit ersten Szenenbeschreibungen wurde von mir durchgearbeitet und gefeedbackt. An Ideen mangelt es Gregor wahrlich nicht. Man merkt, in ihm brennt ein Road Movie, das raus will. Er verfolgt einen etwas anderen, dokumentaren Ansatz. Er schreibt sich zunächst Szenen von der Seele, mehr oder weniger zusammenhangslos, bis am Ende ein ganzer Szenenberg vor ihm liegt. Erst danach beginnt er im "Chaos" nach einer Struktur zu suchen. Contact läßt grüßen ^^ Oder wie er selbst sagt "quasi wie im Dokumentarfilm wenn ich die Footage habe und dann entscheide was die Story ist."
Gregor und ich schreiben aktuell noch sehr vage über unsere Projekte. Das wird sich sicherlich demnächst ändern, sobald die Outlines konkretere Formen annehmen. Als erster Appetizer anbei meine aktuelle Pitchline, wie ich zur Zeit mein Projekt umschreiben würde:
Ein morbides Außenseitermärchen im Plattenbau mit einer kecken Jungdetektivin mit Sehnsucht nach einer richtigen Familie. Dafür scheint ihr keine Maßnahme zu extrem. "Stand by me" trifft auf "Lars and the real girl“ mit einer innigen Verbundenheit zu den „Drei Fragezeichen“.
Gregor befasste sich diese Woche auf seinem Blog im Übrigen mit einem Artikel, auf den ich zufällig gestoßen war. Die Leute bei den Disney Animation Studios hatten bei ihrem aktuellen Animationsfilm Zootopia während der Produktion kurz vor dem produktionstechnischen Point of no return (Ende 2014) mit Storyschwierigkeiten zu kämpfen, die dazu führten, dass sie sich dazu entschlossen, einen massiven Eingrff vorzunehmen. Jedoch einer von der Sorte, der sich doppelt und dreifach auszahlen sollte. Einen sehr ähnlichen Fall hatten wir bei unserem Skyscraper-Script. Etwas, was vielleicht ein typisches Schreiberling-Ding ist. Diesen Moment, wenn eine Geschichte und/oder Figuren plötzlich zum Leben erwachen und man einen Punkt erreicht an dem eine Geschichte wirkt, als hätte sie nie anders geschrieben werden können. Ein Moment, den wir mit Blut und Schweiss erkämpften. Und mit diversen verworfenen Storysseiten in herzzerreissender "Kill your Darlings" Manier. So ausgelutscht dieses Autorenklischee auch sein mag, kaum eines beschwingt festgefahrene Manuskripte so sehr wie dieses. Mehr dazu auf der anderen Seite.

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Hard but unfair, die andere (Blog)seite zum #ProjectMomentum aus der (englisch verfassten) Sicht von Gregor, meinem Partner in Crime. Alle Beiträge zu diesem Schreibprojekt werden bei ihm und bei mir unter dem Hashtag #ProjectMomentum gesammelt. Unsere bisherigen Drehbücher lassen sich hier nachlesen.

Samstag, 16. Januar 2016

#ProjectMomentum: (Gute) Drehbücher für Deutschland

Was bisher geschah:
Einst schrieben sie. Sie, das sind wir, Gregor und ich. Zwischen 2012 und 2014 sind zwei bemerkenswerte, von Kritikern gelobte Drehbücher entstanden. "Skyscraper" und "Saber Rider & the Star Sheriffs". Mit Schweiß und Blut verdientes Lehrgeld. Unbezahlbar weil wir soviel lernten. Unverfilmbar, weil wir schrieben, was wir wollten.

Dann kam 2015, das Jahr, an dem die Erde still stand. 120% Reallifejobs und der ganz alltägliche Wahnsinn führte zum kreativen Stillstand. Das soll sich wieder ändern. Mehr noch, zum ersten Mal wollen wir nicht mehr ausschließlich für uns schreiben, sondern für ein deutsches Publikum. Für deutsche Budgets. Mit deutschen Machbarkeiten. Trotzdem aber inhaltlich fernab deutscher Konventionen und Gewohnheiten. Komödie liegt uns nicht. Krimi wollen wir nicht. Alles andere wird sich zeigen.




Zwei Schreiberlinge, zwei Drehbücher, eine Mission. Das Ziel ist klar. Die Umsetzung... weniger. Da wir uns selbst sehr genau kennen, zwängen wir unser Tun in gewisse Strukturen und Vorgehensweisen. Erste Maßnahme: Scott Myers 1-2-7-14 Formel, die besagt:

Du sollst in der Woche...
1 (Dreh)Buch lesen
2 Filme schauen (1 zur Unterhaltung, 1 zur Analyse)
7 Drehbuchseiten schreiben (1 Seite pro Tag)
14* Stunden Ideen/Story/Figuren entwickeln abseits des Drehbuchs (Ideenfindung, Recherche, Plotting etc)

*Unser einziges Zugeständnis, wir machen aus der 14 eine 7 - wobei unser gegenseitiges Script doktorieren vermutlich allein die 7h in der Woche gut füllen wird - aber ansonsten soll das unsere wöchentliche Richtschnur werden.

Gleichzeitig holen wir unsere beiden Blogs aus der Versenkung und werden einmal die Woche über unseren Schreibprozess bloggen. Kompakt, fokussiert, ohne zuviel Zeit zu verlieren. Jeder für sich, jeder für den anderen. Geht weniger um den Inhalt der Projekte als um Form und Fortschritt. Als Stütze für uns. Sollte sich das Netz wider Erwarten dafür interessieren ob unser Schreibprozess funktioniert oder gnadenlos scheitert - es gibt wahrlich spannendere Blogs über das Drehbuchschreiben (zb. hier, hier oder hier) - ist hiermit die Möglichkeit gegeben.

Ergo
Schreiben, schreiben, schreiben und das gezielt und ohne Unterlass. Jeden Abend und jede Nacht ein Stückchen mehr. Bis - Achtung, Spinner voraus - im Sommer zwei solide Drehbücher vorliegen. Solide, weil aus Erfahrung unsere Scripts erst ab Fassung 3+ den eigenen Ansprüchen genügen. Von Klischee und Stereotypen befreit, mit glaubwürdigen Figuren und lebendigen Dialogen ausgestattet. Deswegen dürfte ab Sommer unsere eigentliche Arbeit erst beginnen. Doch alles der Reihe nach.

Es lebe #ProjectMomentum
Nun gilt es die ersten 30 Seiten von Gregors Script zu lesen und zu lektorieren, der Hund legte nämlich einen gewaltigen Frühstart hin. Worüber er schreibt und #ProjectMomentum aus seiner Sicht könnt ihr fortan hier erfahren. Gleichzeitig beginne ich heute mit der Ausformulierung einer ausführlichen Outline zu meinem Script (aka Restrukturierung meines Evernote Chaos).

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Hard but unfair, die andere (Blog)seite zum #ProjectMomentum aus der Sicht von Gregor, meinem Partner in Crime. Alle Beiträge zu diesem Schreibprojekt werden bei ihm und bei mir unter dem Hastag #ProjectMomentum gesammelt. Unsere bisherigen Drehbücher lassen sich hier nachlesen.

Sonntag, 10. Januar 2016

Kurzreview: THE REVENANT (Kino, 2016)


Eben "The Revenant - Der Rückkehrer" gesehen und für intensiv empfunden. Paar kurze Gedanken vor dem zu Bett gehen:

  • The Revenant ist der Terrence Malick Film, auf den ich seit 20 Jahren warte. 
  • Der Film hätte zum (zu) schlichten Survivalporno ausarten können - tut es an manchen Stellen vielleicht auch - rettet sich aber stets durch seinem Widerwillen, zu schablonenhaft zu werden, insbesondere in der Darstellung seiner Figuren. 
  • Selten wurde der Wilde Westen seinem Namen so gerecht. Weit weit fernab jeglicher John Ford und John Wayne Romantik. 
  • Ein Satz, den ich nie wieder sagen werde, aber hier zutrifft: The Revenant hätte ich gern in nativem 3D gesehen. Allein wegen den Landschaften und unendlichen Tiefen. Allein wegen Lubezkis (erneut) famosen Kameraarbeit. Allein für DiCaprios gefrorenen Atem, der mehr als nur einmal dem Zuschauer entgegen schwappt. 
  • Tom Hardy hatte bei Mad Max im Vergleich eine unglücklich eintönige Rolle. Zum Ausgleich bekam er hier die einzig nennenswerte. Bronson meets Bane im Redneck Outfit. 
  • Bei aller Ursprünglichkeit und dem Willen ohne künstliches Licht zu arbeiten, die immense Postproduktion beißt sich damit erheblich. 135 Mio. Dollar soll der Film gekostet haben. Und ja, man sieht es ihm an. 
  • Man vergisst relativ schnell, dass man DiCaprio beim Sterben zusieht und kauft ihm die Rolle auch gerne ab. Dennoch, irgendetwas an seinem Spiel erinnert mich frappierend an Ben Stillers Tropic Thunder. Die Nennung seines persönlichen Kochs im Abspann tat ihr übriges. 
  • Für Iñárritus Verhältnisse ein sehr geradliniger Film aber trotz der technischen und finanziellen Dimensionen der Produktion ein gewohnt intimer. 
  • Amores Perros und Biutiful bleiben meine Favoriten im Schaffen des Regisseurs, aber Iñárritu mausert sich langsam zum Shapeshifter à la Danny Boyle. Kein Genre, das er nicht beherrscht. Keine Herausforderung, der er nicht gewachsen ist. 
  • 8/10

PS: Die Reihe Filmstudenten hinter mir (gemutmaßt HFF) ließen an dem Film kein gutes Haar, aber die schienen ohnehin alle mehr Ahnung von der "Craft" zu haben Iñárritu und sein Team.

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Kurzreview: SUPERGIRL, Wha-Pow! (Serie, 2015)



Die charmante Einfältigkeit von Lois & Clark, die Cheesyness von Smallville und über all dem der Glanz der frühen Richard Donner Superman Filme. Zugegeben, dieses Supergirl ist mit dem Holzhammer gezimmert, der große horizontale Bogen, der bereits im Piloten komplett vorweggenommen wird, möchte man am liebsten zurück in in die 90er werfen. Aber, bei Jor-Els gebleichten Arschhaaren, diese Dame hat Charisma, mit Calista Flockhart die perfekte Symbiose aus J.J. Jameson und Anna Vintour an ihrer Seite und trifft den Superfan direkt mitten ins güldene Emblem. Hatte allein in den ersten 15min mehr Gänsehaut als während allen DC-Kinofilmen der letzten Jahre zusammen. Wha-Pow!
(Nur das mit dem musikalischen Heldenthema müssen wir noch üben. Zumindest eine Anlehnung an das Goldsmith Thema aus 1984 wäre drin gelegen. Stattdessen gibts TV-Retortenbrei. Die Amis können seriell viel, aber für einen anständigen Score reicht selbst bei denen das Budget dann doch nicht...)

Sonntag, 6. September 2015

Sharknado 3 - Dank #Schlefaz ein Meta-Mett-Spektakel mit Biss


Trotz Netflix Serien wie Narcos, Brooklyn Nine-Nine und Puffin Rock kann jetzt bereits gesagt werden: Mein absolutes Wochenend-Highlight war (überraschenderweise) Sharknado 3. Nicht etwa aufgrund eines flatulenten Films oder seltendämlichen Schauspielern. Oh nein! Sondern wegen unseren beiden ‪#‎Schlefaz‬-Schlawinern Oliver Kalkofe und Peter Rütten. Ein füchterlicher Film ist eine Sache. Eine süffige Schimpftiradenmoderation eine andere. Aber wenn Olli und Päter einen simplen Cameoauftritt (toller PR-Stunt übrigens, TELE 5!) zum spitzbübischen TV-Event ausschlachten, daraus ein Meta-Mett-Spektakel mit Filmblut und Olli Schulz basteln und als Sahnebonbon uns am Ende noch eine einstündige Reportage gönnen, die die banale Bananafilmproduzentenbude The Asylum mal so richtig schön durch die Analluke zieht, dann weiß man, warum Tele 5 der einzige deutsche Fernsehsender ist, den man als kulturbegeisterte, nicht-greise Cineastenflitzpiepe ernst nehmen kann.

Hoch die Cocktailtassen, auf dass das schaurig-schöne Schlefaz-Finale Tele 5 feuchte Quotenträume bescheren möge!

---> Schlefaz und Reportage gibts die nächsten Tage natürlich auch online zu bestaunen!


Donnerstag, 2. Juli 2015

Kurzreview: Andy Weirs DER MARSIANER (Buch)

Andy Weirs "Der Marsianer" (Heyne Verlag) ist wahrlich ein fesselndes Buch. Eine ausgeprägte Handlung sucht man zwar vergebens. Echte Konflikte mit echten Opfern sind auch rar gesäht. Stilistisch noch sehr rudimentär. Aber diese Mischung aus Marlen Haushofers "Die Wand" und "Apollo 13" verrührt mit einer großen Portion MacGyver ist enorm unterhaltsam. Ungemein lakonisch. Wissenschaftlich - soweit ich es nachvollziehen kann - plausibel oder zumindest ausgezeichnet so getan als ob.

Ridley Scotts Verfilmung kann also kommen. Sieht soweit auch vielversprechend aus (siehe Trailer). Nur Matt Damon als Mark Watney ist ein saurer Drops, der das ganze in die assoziationsschwangere "Saving Private Ryan in Interstallar Space"-Ecke drängt . Warum kein Ryan Phillippe? Jason Bateman? Ryan Gosling? Irgendein talentierter Thirtysomething, der nicht so besudelt ist wie eine Raststättenkloake und etwas mehr Wandlungspotential mitbringt. Dass sich ein Määät Dääimäään wesentlich besser verkauft ist schon klar. Ich mein ja nur... (8/10)


Samstag, 3. Januar 2015

Kurzreview: FURY - HERZ AUS STAHL (2015)

"Fury", eine im besten und schlimmsten Sinne amerikanische Antikriegsparabel. Bildgewaltig und mitreissend in den Actionszenen, den guten alten "Kriegsbrüdereid" beschwörend, aufdringlich und belehrend zwischen den Zeilen. Aber leider nicht nur dort. Am Ende erwacht wahrlich der Ami im Tank dieses Actionvehikels und feuert nicht nur inhaltlich aus allen Rohren, sondern schießt dem Zuschauer auch sämtliche US-Kriegsfilmklischees um die Ohren. Bulletproof Helden, Götzenanbetung, Helden Verklärung, "Ich habe Angst"-Dialoge, die Reihenfolge und Art, welche Figuren wie das Zeitliche segnen. "Fury" möchte sich im Canon von "Band of Brothers" einreihen, verkommt aber dabei immer mehr zu einem "Saving Private Ryan" auf Ketten. Fesselnd und furchteinflößend zu Beginn; aufdringlich und belehrend in der Mitte; kaum mehr zu ertragen amerikanisch am Ende.
Auf 60 Minuten gekürzt ließe sich vielleicht tatsächlich eine gute BoB Folge daraus basteln. Dann aber bitte ohne Brad "Ich mime John Waynes nassen Pudel" Pitt. So sehr ich dich mag, Brad. Deine Superstarvisage hat in solchen Filmen nichts zu suchen. (6.5/10, Trailer)


Mittwoch, 31. Dezember 2014

Kurzreview: MOMMY (2014)

"Mommy" ist inhaltlich wie visuell einer der prägendsten Filme 2014, der mit seinem 1:1 Bildformat eine teils unerträgliche Nähe zu den Figuren erzeugt und gleichzeitig mit der Durchbrechung die Katharsis der Figuren auf den Zuschauer überträgt. Dazu ein einzigartiger Soundtrack aus alten nicht selten kitschigen Songs, die durch die Figuren emotional neu aufgeladen werden und einen Metakontext für Film und Zuschauer erzeugt. Regisseur Xavier Dolan gelang eine unverblümte Ode an die unermüdliche Mutterliebe, wie man es ihm kaum zugetraut hätte. Eine leise, kraftvolle Abbitte als Gegengewicht zu seinem zynischeren Erstlingswerk. Fast.
Wieso Dolan, das Regiewunderkind von einst, am Ende des Films sich aber dazu verleiten lässt, seine Mutterfigur endlos über Hoffnung reden zu lassen statt den Film einfach zehn Minuten früher inmitten ihrer hoffnungsschwangeren, tragisch-ehrlichen Fantasiewelt auszublenden, das blieb mir verborgen und hinterlässt bei mir einen unerwartet negativen Eindruck. Dolan konstruiert ein bizarres Bild von einem fiktiven Kanada um der Mutter auf der Zielgeraden doch noch den Boden unter den Füßen weg zu ziehen. Was willst du mir damit sagen, Xavier? Denn ohne den Hoffnungsmonolog, ohne Toronto, ohne Steves irritierend-banalen, weil bedeutungsschwangeren Ritt in den Sonnenuntergang wäre "Mommy" soviel stärker in seiner Aussage, in seiner Wirkung, in meinem Wunsch, den Film uneingeschränkt zu lieben. Vielleicht mein Fehler, denn ich hatte während des Films echte Hoffnung für die Familie Després. (8.5/10, Trailer)



Montag, 29. Dezember 2014

Kurzreview: THE THEORY OF EVERYTHING (2014)

Eigentlich nur ein weiteres Biopic. So konventionell, wie man sich es nur vorstellen kann. Wäre da nicht ein Hauptdarsteller, der jegliche Konventionen überstrahlt. Und wäre da nicht eine real existierende Ikone, deren Persönlichkeit und Werk zehn Filme mit Charisma und Faszination füllen könnte. Eddie Redmayne IST Stephen Hawking. Und Stephen Hawking IST Gott. Ergo: "Theory of Everything" IST (trotz Schwächen und reichlich ‪‎"A Beautiful Mind"-Assoziationen) absolut sehenswert, ungemein gefühlvoll und auf sehr menschliche, völlig unwissenschaftliche Art und Weise inspirierend. (7.5/10, Trailer)



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